Die neue Grossfamilie

Es kommt nur noch sehr selten vor, dass drei oder mehrere Generationen zusammen unter einem Dach wohnen. Heute leben gerade in den Städten viele ältere Menschen isoliert vom gesellschaftlichen Leben. Dass es auch anders geht, zeigt das Burgerspital in Bern.

«Die Gänge sind eine beliebte Rennstrecke», bemerkt Ursula Ochsenbein schmunzelnd. Wir befinden uns im Herzen von Bern, genauer am Bubenbergplatz in einem Barockbau aus dem Jahr 1742. Erst auf den zweiten Blick wird einem bewusst, dass die Benutzung von Trottinetten sinnvoll ist hier drinnen. Die Gänge sind sehr lang, und wenn es im Stationszimmer klingelt, muss es schnell gehen. Aber nicht nur das Pflegepersonal in der Alterseinrichtung Burgerspittel* ist rollend unterwegs, ab und zu sind es auch die Kinder aus der benachbarten Kita, die regelmässig vorbeischauen. An solchen Nachmittagen spielen Jung und Alt miteinander, backen Guetzli oder plaudern ein wenig zu Kaffee und Sirup. «Die Energie der jungen Menschen macht mich einfach glücklich», sagt Ursula Ochsenbein. Sie ist eine von 20 Betagten, die im Burgerspittel leben. Im altehrwürdigen Gebäude ist nicht nur das Seniorenheim einquartiert, sondern seit der Neueröffnung im Januar 2015 auch das sogenannte GenerationenHaus, ein Verein, der dabei ist, aus dem Burgerspital einen Begegnungsort zu schaffen.

«Die Energie der jungen Menschen macht mich einfach glücklich.»

Ursula Ochsenbein

Für jedes Alter

Einiges habe sich seit der Renovation verändert, erzählt Ursula Ochsenbein. Sie weiss, wovon sie spricht. Die Stadtbernerin lebt seit zehn Jahren in der Alterseinrichtung. Während der Umbauphase wohnte sie am zweiten Standort, im Burgerspittel Viererfeld, der sich im Länggassquartier befindet. Bis zum Renovationsbeginn 2011 beherbergte das Burgerspital ausschliesslich betreuungsbedürftige Senioren. Heute sind die Pforten für jedermann geöffnet. «Wir wollen alle Generationen ansprechen», betont Till Grünenwald, Leiter des GenerationenHauses. Neben der Alterseinrichtung im zweiten Stock sowie der Burgerverwaltung im ersten Stock sind im Erdgeschoss diverse Organisationen eingemietet, wie etwa Pro Senectute, die Mütter- und Väterberatung oder eine Anlaufstelle namens Checkpoint des Berner Jugendamts. Aber nicht nur Ratsuchende kommen im GenerationenHaus auf ihre Kosten, sondern auch Passanten, die sich verköstigen möchten. Direkt beim Haupteingang befindet sich ein Café, die «CaféBar», und am Ende des östlichen Gebäudetraktes das Restaurant «Toi et moi».

  • Vom Gang aus geniesst man einen Blick auf den grünen Innenhof, der an warmen Tagen eine beliebte Begegnungszone ist.
  • Wellness pur: Eine grosszügige Badewanne ist auf die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Bewohner zugeschnitten.
  • Im Burgerspittel am Bahnhofplatz gibt es vier Wohngemeinschaften, wovon die Küche jeweils das Herzstück bildet.
  • Das Stadtleben auf einen Blick: Das Zimmer von Ursula Ochsenbein bietet eine direkte Sicht auf die Berner Heiliggeistkirche.
  • Refugium mit zahlreichen Erinnerungen: An den Wänden von Ursula Ochsenbeins Zimmer hängen Bilder ihres Mannes.

Ort der Erinnerung

Der Donnerstagabend ist bei Ursula Ochsenbein fast immer ausgebucht. Dann läuft in der «CaféBar» die Eventreihe «Jeudredi», wo neben Lesungen auch Konzerte stattfinden. «Ich höre sehr gerne Musik.» In ihrem Zimmer zieren Bücher das Regal, aber auch Geschenke ihrer beiden Söhne. Eines davon ist ein Bild der Beatles. «Ihre Musik finde ich toll.» Sie fährt mit dem Zeigefinger über eine Regalkante. «Und die Rolling Stones mag ich auch.» Ein Schwarz-Weiss-Foto zeigt ihren verstorbenen Mann in jungen Jahren. Die Ochsenbeins sind damals zusammen hier eingezogen. Seit sechs Jahren lebt Ursula Ochsenbein in einem Einzelzimmer. «Der Tod gehört nun mal zum Leben.»

Voneinander lernen

«Der Stock ist in Hausgemeinschaften aufgeteilt», erzählt Fernando Bühlmann, «wir sind hier eine Art Grossfamilie.» Bühlmann leitet die Pflege im Burgerspittel am Bahnhofplatz. Neben einer umfassenden Betreuung steht für ihn und sein Team die sichere Tagesstruktur der Bewohner im Zentrum. Hier gilt das Motto «Wer will und kann»: Die Bewohner können die Tagesaktivitäten also selbst mitbestimmen. Das Gefühl, gebraucht zu werden, sei schliesslich ein menschliches Bedürfnis, sagt Bühlmann, auch noch im hohen Alter. Gebraucht wird in dieser Woche auch eine Gruppe Jugendlicher unten in der «CaféBar», die Teil des Projekts «Generation 2.0» ist, einer Veranstaltung, die von Checkpoint und Pro Senectute durchgeführt wird. In persönlichen Beratungsgesprächen beantworten die Teenager sämtliche Fragen rund um die Benutzung von neuen Medien: vom Smartphone über das Tablet bis hin zum Facebook-Account. Die Ratsuchenden profitieren, genauso wie die Jugendlichen, die ihre Verantwortung als Berater wahrnehmen.

«Wir sind hier eine Art Grossfamilie.»

Fernando Bühlmann

Breiteres Angebot

Die Beziehungen und der Austausch zwischen den Generationen seien ein entscheidender Faktor für eine gut funktionierende Gesellschaft, sagt Grünewald. Das GenerationenHaus der Burgergemeinde Bern ist noch jung. Trotz einem gut besuchten Eröffnungsfest im letzten Sommer gilt es nach wie vor, das Haus in der öffentlichen Wahrnehmung weiter zu festigen. Grünewald gibt sich zuversichtlich, dass dank zusätzlichen Partnerschaften das kulturelle Programm 2016 ausgebaut werden kann. Weitere solche Projekte wie «Generation 2.0» sollen auch dazukommen.

Der nächste «Jeudredi» steht ganz im Zeichen des Tangos. An diesem Abend wird ein Bandeonspieler auftreten. Ein Konzert, das auch Ursula Ochsenbein in ihren Kalender eingetragen hat.

* Achtung, Verwechslungsgefahr: Der Burgerspittel ist heute der Name der Alterseinrichtung. Das Burgerspital ist das Gebäude, in dem sich unter anderem der Burgerspittel am Bahnhofplatz befindet. Zudem gibt es einen weiteren Standort der Alterseinrichtung im Länggassquartier, der Burgerspittel Viererfeld.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

BEKB-Immobilientage

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz