Hereinspaziert

Menschen wohnen in Wohnungen oder in Häusern, meistens hinter Steinmauern, und verfügen in der Regel über fliessendes Wasser. Es gibt aber Beispiele, die diesem Stereotyp nicht entsprechen. Fünf Porträts aus dem Kanton Bern.

Ueli Schenk, Röthenbach

«Grossmutter Hanni ist 1926 geboren und hat die ersten 30 Jahre ihres Lebens hier im Sahlenweidli verbracht, ohne fliessendes Wasser und ohne Strom. Auch mein Vater hat hier gewohnt, bis er sechs war. Heute gibt es Strom, aber alles andere ist so erhalten geblieben wie damals. Das Haus aus dem Jahr 1762 ist ein wahres Erlebnis für unsere Feriengäste und ermöglicht eine einmalige Zeitreise: Kochen kann man auf dem Feuertopf, heizen im Holzofen, und gewaschen wird draussen beim Brunnen. Vor einem Jahr haben meine Frau Christine und ich von meinen Eltern Hans und Helene das Sahlenweidli wie auch den Hof Sahlen übernommen, den wir mit Milchschafen bewirtschaften. Grossmutter Hanni fährt heute noch mit dem Rollator jeden Tag zum Sahlenweidli, um nach dem Rechten zu sehen.»

  • Drei Generationen unter einem Dach: Vater Ueli, Mutter Helene, Grosmutter Hanni, Feriengast Elea, Ehefrau Christine und Ueli Schenk (v.l.n.r.).
    Drei Generationen unter einem Dach: Vater Ueli, Mutter Helene, Grosmutter Hanni, Feriengast Elea, Ehefrau Christine und Ueli Schenk (v.l.n.r.).
  • Ob für Tee, Kaffee oder auch Gschwellti: Draussen vor der Küche wird der Kochtopf mit Wasser aus dem Brunnen gefüllt.
  • Die Küche dient bis heute der Zubereitung von Essen, aber auch der Räucherung von Fleisch – früher eine bewährte Konservierungsmethode.
  • Christine und Ueli Schenk sind frisch verheiratet und führen seit 2015 den Hof von Uelis Eltern: «Wir halten Milchschafe nach den Richtlinien von Bio Suisse.»
  • Eines von drei Schlafzimmern – das Sahlenweidli diente 2004 als Fernsehkulisse für die SRF-Sendung «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten».
  • Der Ofen im Schlafzimmer wärmt auch die Bettflasche und das Bügeleisen – sogar den Töchtern von Jeremias Gotthelf gehörte einst das Sahlenweidli.

Matthias Steinmann, Schlosswil und Ursellen

«Schloss Wyl soll der Öffentlichkeit erhalten bleiben. Mit diesem Gedanken habe ich den Herrschaftssitz in Konolfingen 2011 erworben und neu eingerichtet, etwa mit Möbeln und Malereien aus der Renaissance. Der Name Steinmann ist ein Bauerngeschlecht aus dem benachbarten Gysenstein. Zwar bin ich in Bern und Samedan aufgewachsen, dennoch hat es mich hier in die Region gezogen. Seit 36 Jahren wohne ich im Schlössli Ursellen. Das Schloss Wyl könnte man als mein Arbeitsschloss bezeichnen, das für die verschiedensten Anlässe gemietet werden kann: vom Businessmeeting über das Geburtstagsfest bis hin zur Generalversammlung. Auch Trauungen können hier rechtlich geschlossen werden. Für die Gäste meiner Stiftung steht zudem eine Wohnung im obersten Stock zur Verfügung. Dass Gysenstein zwischen meinen beiden Schlössern genau auf halbem Weg liegt, ist wohl mehr als nur ein schöner Zufall.»

Aussenaufnahme Schloss Wyl: Felix Brodmann, Burgdorf

  • Erstmals erwähnt wird das Schloss Wyl im Jahr 1146, damals im Besitz der Freiherren von Wiler – die Wohnung befindet sich heute auf der zweiten Etage.
  • Das «Renaissance-Zimmer» verfügt unter anderem über eine Truhe von 1730 sowie über viele gemütliche Sitzmöglichkeiten.
  • Im Schloss Wyl kann man sich auch in die Bibliothek zurückziehen und auf einem Sofa aus dem späten 18. Jahrhundert verweilen.
  • Eines von zwei Schlafgemächern: Malereien aus England, Schottland und Frankreich zieren das Bernburger-Schlafzimmer.
  • Herr zweier Schlösser: Matthias Steinmann im Schlössli Ursellen, seinem Wohnschloss, das er 1980 erwarb – gut 30 Jahre später kam Schloss Wyl hinzu.

Valérie Flück, Tramelan

«Ich liebe es, auf dem Sofa zu sitzen, die Abendsonne, die durch die grossen Fenster dringt, auf mich wirken zu lassen. Mich faszinieren das Licht hier drinnen, die Helligkeit und nicht zuletzt die hohen Räume. Hier fühlen mein Mann Julien und ich uns frei. Jeder hat hier sein eigenes Atelier. Julien eine Werkstatt für seine Fotografien und Skulpturen. Ich habe mir im Dachstock ein kleines Nähatelier eingerichtet, gleich neben unserem Schlafzimmer. Im unteren Stock ist also der eigentliche Wohnraum, oben haben wir unsere gemütlichen kleinen Nischen. Ein Kontrast, der mir sehr gefällt. Das Gebäude stammt aus dem Jahre 1903 und war bis in die 1970er-Jahre eine Uhrenfabrik. Es ist nichts als purer Zufall, dass ich als Materialexpertin in der Uhrenbranche tätig bin.»

Text: Walter Däpp, Journalist und Autor, Bern
Aussenaufnahme: Hansueli Trachsel, Fotograf, Bremgarten
Innenaufnahmen: Julien Heimann, Fotograf, Tramelan

  • Einst der Innenhof der Uhrenfabrik Record Watch Co., heute ein sehr grosszügiger Wintergarten zum Entspannen.
  • Valérie Flück und Julien Heimann vor ihrer Loftwohnung in Tramelan, einer 4000-Seelen-Gemeinde im Berner Jura.
  • Alt und Neu charmant kombiniert: In der Ecke des Wohnzimmers funktioniert der alte Fotovergrösserungsapparat heute als Büchergestell.

Vreni Geissbühler, Heimisbach

«Wenn im Winter das Wetter richtig schlecht war, kamen wir mit dem Auto fast nicht mehr weg von unserem Haus. Dank der neuen Zufahrt* können jetzt unsere älteren Kinder auch bei viel Schnee zur Arbeit gehen. Mit meinem Mann Hansueli und mir sind wir 15 Leute, wobei die ältesten bereits ausgezogen sind. Ich wollte schon immer eine grosse Familie. Dass sie so gross werden würde, hatte ich dann doch nie gedacht. In meinem Leben ist vieles unerwartet geschehen. Aufgewachsen bin ich im Appenzellerland. Ich habe am Bodensee gelebt, bis ich mit meinen acht Kindern aus erster Ehe hierhergezogen bin. Hätte mir jemand vor 20 Jahren erzählt, dass ich mit 46 Mutter von 13 Kindern sei und als Bergbäuerin glücklich in einem ‹Chrachen› im Emmental leben würde, ich hätte lauthals gelacht.»

*Mit der Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte der Bau der neuen Zufahrt realisiert werden.

Text: Max Hugelshofer, Redaktor, Schweizer Berghilfe
Fotos: Yannick Andrea

  • Vreni Geissbühler auf der neuen Zufahrt zu ihrem Bergbauernhof.
  • Die Ältesten sind bereits ausgezogen, dennoch wohnt die Bergbauernfamilie Geissbühler noch zu zehnt in ihrem Haus.
  • Geissbühlers sind zum grossen Teil Selbstversorger: Gatte Hansueli gräbt Kartoffeln im eigenen Garten aus ...
  • ... und Verena macht daraus Pommes frites, die nicht nur bei den Jüngsten sehr beliebt sind.
  • Auch im Helfen bei Hausaufgaben hat Verena Übung – kein Wunder, als 13-fache Mutter.

Marc Burkhardt, Ins

«Was bei unserem Haus von aussen ins Auge sticht, ist das Fehlen des Kellers. Und das ist auch gut so. Auf die Frage, warum wir auf das Untergeschoss verzichtet haben, antworte ich immer: Der Bau eines Kellers ist kaum ökologisch und weist ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis auf. Zudem lassen sich damit Wasserschäden vermeiden. Durch meine Tätigkeit bei einer Bank habe ich einiges über den Häuserbau gelernt. Darum haben wir uns beim Bau unseres Hauses für Schweizer Holz aus nachhaltigem Anbau entschieden. Das offenporige, atmungsaktive Holz reguliert sowohl Feuchtigkeit wie Zirkulation der Luft, was ein hervorragendes Raumklima ermöglicht. Da Holz sowohl auf Wärme wie auf Kälte sehr träge reagiert, ist unser Haus zudem sehr gut isoliert. Auch nach sieben Jahren sind wir wunschlos glücklich in unserem Heim.»

Erfahren Sie mehr über Marc Burkhardt und sein Haus.

  • Auf Betonsockeln gebaut: Das Holzhaus der Familie Burkhardt im seeländischen Ins kommt ohne Keller aus.
  • Lagerung im Parterre: Der Vorratsraum ist direkt mit der Küche verbunden und dient als idealer Ersatz für den Keller.
  • Offenheit zieht sich durch das ganze Haus: Die Küche ist direkt mit dem Ess- und Wohnzimmerbereich verbunden.
  • Besonders im Sommer geeignet: Im Wohnzimmer lässt sich die Fensterfront zum Garten hin ganz öffnen.
  • Seit sieben Jahren glücklich zu Hause: Familie Burkhardt mit Vater Marc, Mutter Christiane, Tochter Nadja und Kater Ron.
  • Holz ist atmungsaktiv, offenporig und somit auch ideal für das Badezimmer – wie hier der Boden und die Decke.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

BEKB-Immobilientage

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz