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Offenheit macht Schule

Die Schule war schon immer ein Ort der Wertevermittlung. Wie aber sieht es heute aus? Zwei Lehrer des Gymnasiums Thun erzählen über ihren Beruf. Was sie unterscheidet: Der eine steht noch am Anfang seiner beruflichen Karriere, der andere kann auf 36 Jahre Unterrichtserfahrung zurückblicken.

Zwei Lehrer, zwei Generationen: Lukas Hunziker (34) und Peter Sägesser (60), beide Lehrer am Gymnasium Thun, erzählen über ihren Beruf.

Lukas Hunziker (34), Lehrer für Deutsch und Englisch

«Ehrlichkeit ist sehr wichtig in meinem Job. Den Schülern ist nicht nur meine Ehrlichkeit wichtig, sondern auch die ihrer Klassenkameraden. Nicht zuletzt durch die digitalen Medien sind wir tagtäglich einer Fülle von Informationen ausgesetzt, die gerade für junge Menschen schwer zu bewältigen ist. Der ehrliche Umgang miteinander gibt den Schülern also einen Halt in ihrem Leben. Diese Reizüberflutung habe ich während meiner Zeit als Gymnasiast nicht gekannt. Auch habe ich mir damals nie die Frage gestellt, warum ich etwas lerne. Ich habe es einfach gemacht. Als Lehrer spüre ich einen gewissen Druck vonseiten der Schüler, wenn sie mich immer wieder nach dem Sinn einer bestimmten Aufgabe fragen, die ich ihnen im Unterricht stelle. ‹Wofür brauche ich das später?› oder ‹Was bringt mir das in meinem zukünftigen Beruf?›, sind häufig gestellte Fragen. Gewiss idealisiere ich meine eigene Schulzeit ein bisschen, aber dennoch fehlt mir oft die blosse Neugier vieler Schüler heutzutage, sich Wissen aneignen zu wollen. In meiner Schulzeit hatte meine Schule ein einziges Mal eine Studienberatung organisiert. Heute ist das Angebot viel grösser und entsprechend präsenter. Viele meiner Schüler meinen, dass sie mit der Wahl ihres Schwerpunktfachs bereits ihre berufliche Laufbahn ebnen sollten. In solchen Fällen lege ich ihnen immer wieder nahe, dass das Gymnasium ein Türöffner für die verschiedensten Laufbahnen ist. Die Schule ist in erster Linie ein Ort der Bildung, wo ein breites Grundwissen vermittelt wird. Deshalb liegt es mir auch sehr am Herzen, den Schülern den Wert der Offenheit mit auf den Weg zu geben, zu versuchen, auch einmal eine andere Perspektive als die eigene zu übernehmen. Offen sein für Neues. Offen sein für Themen, die einen nicht auf Anhieb ansprechen. Gerade die Literatur liefert hier einen idealen Einblick in verschiedene Lebensentwürfe. Meistens stöhnen die Schüler, wenn ich mit einem neuen Buch komme. «Warum müssen wir das jetzt lesen?», heisst es oft. Rückblickend aber zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit dem Stoff durchaus hängen geblieben ist. Wenn ich meine Maturanden frage, was ihnen in meinen Unterrichtsstunden am besten gefallen hat, erwähnen sie nicht selten genau diejenigen Themen, die zum Zeitpunkt der Behandlung für die grössten Proteste gesorgt haben. Es freut mich immer wieder, zu sehen, dass die Schüler sehr gerne herausgefordert werden.»

  • Lukas Hunziker: «Die Schule ist in erster Linie ein Ort der Bildung, wo ein breites Grundwissen vermittelt wird.»

Peter Sägesser (60), Lehrer für Wirtschaft und Recht

«Es gibt drei Eigenschaften, die meiner Meinung nach einen guten Lehrer ausmachen: Authentizität, Authentizität und Authentizität. Neben meiner Tätigkeit als Lehrer arbeite ich auch als Dozent an der Pädagogischen Hochschule, wo ich meine zukünftigen Berufskollegen ausbilde. Aber nicht nur meinen Studenten möchte ich diesen Wert weitergeben, sondern auch meinen Schülern. Das Vermitteln von Werten ist genauso wichtig wie das Vermitteln von Wissen. Eine Haltung, die sich während meiner Lehrerkarriere entwickelt hat. Zu Beginn habe ich mich vor allem an die Lehrmittel gehalten, die ich im Unterricht verwendet habe. Heute bin ich froh um die neuen technischen Errungenschaften, auch wenn ich dafür mehr Vorbereitungszeit für die Lektionen in Kauf nehmen muss. In meinem Fach Wirtschaft und Recht greife ich etwa immer wieder auf Youtube-Filme zurück. Manchmal fordere ich meine Schüler auch dazu auf, während des Unterrichts ihr Smartphone zu benutzen, etwa wenn es darum geht, offene Fragen zu klären. So wird ein Thema erlebbar. Zudem gibt die Vielfalt an verfügbaren Medien und Quellen die Möglichkeit, neue Sichtweisen zu gewinnen. Ich kann also immer wieder Neues lernen, und das liebe ich an meinem Beruf. Meine 36-jährige Erfahrung als Lehrer hat mich gefestigt, mir aber auch gezeigt, dass ich ständig dazulernen kann. Diese Offenheit möchte ich meinen Schülern mit auf den Weg geben, etwa wenn es darum geht, zu seiner eigenen Unsicherheit zu stehen. Meinen Schülern lege ich nahe, dass sie nicht erst die Hand hochhalten sollen, wenn sie sich ihrer Antwort sicher sind. Korrekte Antworten sind mir weniger wichtig als die Beteiligung am Austausch. Fehler sind schliesslich wichtig, weil wir aus ihnen lernen können. So kann ich eine gesunde Vertrauensbasis herstellen. Mir ist es wichtig, die Schüler ins Zentrum des Unterrichts zu stellen. Bei Prüfungsbesprechungen beispielsweise lasse ich diejenigen Schüler einen unklaren Sachverhalt erklären, die eine gute Note geschrieben haben. Das stärkt nicht nur den Austausch untereinander, sondern fördert auch die Eigenverantwortung und das Selbstvertrauen. Die Mehrheit der Schüler heute ist im Vergleich zu meiner eigenen Schulzeit sehr angepasst. Als Kinder der Post-68er-Generation haben wir die Lehrer viel mehr herausgefordert. Das fehlt mir heute bei meinen Schülern, weswegen ich sie immer wieder einmal mit einer provokativen Bemerkung aus der Reserve locke, um so eine Diskussion anzuregen. Ich bin gerne zur Schule gegangen, aber ich war auch ein Luuscheib. Als Schüler war ich Klassenchef, und das bin ich ja eigentlich heute noch. Bloss mit einer anderen Funktion.»

  • Peter Sägesser: «Korrekte Antworten sind mir weniger wichtig als die Beteiligung am Austausch.»

Agenda

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. Mai 2018, Stadttheater, Langenthal
7. Mai 2018, Hotel National, Bern

BEKB-Familientage

26. Mai 2018, Gurten, Bern
3. Juni 2018, Studen
17. Juni 2018, Solothurn
11. August 2018, Utzenstorf
2. September 2018, Reconvilier

Sitzkissenkonzerte für Kinder ab 4 Jahre

13. März 2018, Stadttheater Bern
20. März 2018, Stadttheater Bern

Spannende Ausflugstipps

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