Anwalt des gebauten Erbes

Altes ist Geschichte? Nicht für den Berner Heimatschutz. Luc Mentha erklärt im Interview, warum Heimat Schutz verdient und weshalb Historisches und Modernes nebeneinander Platz haben sollten.

Luc Mentha, Sie sind Vizepräsident des Berner Heimatschutzes. Warum braucht es einen Verein wie den Ihren?
Die eigenen Wurzeln zu kennen – das ist ein wesentlicher Bestandteil der hohen Lebensqualität in unserem Land. Heimat ist einmalig und authentisch. Sie ist ein Erbe, das verpflichtet. Die bernische Baukultur schafft Heimat und somit Identität für uns und für die nachfolgenden Generationen. Werden Baudenkmäler abgerissen, sind sie für alle Zeiten verloren. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt historisch wertvoller Bauten ein.

Sie wehren sich gegen den Abriss historischer Bauten. Darf denn Altes nicht Neuem weichen?
Doch. Für den Heimatschutz ist das keine Frage des Entweder-oder. Auch Neues hat Platz. Wir begrüssen und fördern gute Neu- und Umbauten. Die gebaute Umwelt soll kein Museum sein. Unsere Sicht ist nicht statisch, sondern dynamisch.

Der Mix macht es aus?
Genau. Eine Siedlung, die auf einer grünen Wiese entsteht, muss erst belebt werden. Werden jedoch wertvolle, alte Bausubstanzen in eine Neuüberbauung integriert, hat diese von Anfang an viel mehr Charakter. Da fühlt man sich wohl. Ein Stück Heimat wird gerettet.

Ein altes Gebäude hat Charakter. Ist es deshalb automatisch schützenswert?
Nein. Ein schützenswertes Gebäude muss besondere architektonische Qualitäten aufweisen und ein wertvoller Zeuge seiner Zeit sein. Der Heimatschutz setzt sich sowohl für den Erhalt alter als auch jüngerer Bauwerke ein. Im Bauinventar sind auch Häuser verzeichnet, die erst 30 Jahre alt sind. Und auch unverdorbene Kulturlandschaften, wertvolle Ortsbilder, Quartiere, Gebäudegruppen und Strassen haben unsere Aufmerksamkeit.

  • Zu Bauernhäusern aus dem 19. Jahrhundert gehört ein Stöckli. Ein sorgsamer Umgang mit Bauten dieser Zeit ist auch für Laien nachvollziehbar.

  • Kein Widerspruch: Neues und Altes finden – ganz im Sinne des Heimatschutzes – harmonisch nebeneinander Platz.

  • Ein offenes Tenn trennt in Berner Bauernhäusern aus dem 19. Jahrhundert den Wohn- vom Ökonomieteil. Grosszügig verglast wird der Lager- zum Wohnraum.

  • Perfekte Akustik: Der zweigeschossige Raum des ehemaligen Tenns dient heute als Musikzimmer.

  • Einladend: Dieser Raum im Stöckli wurde von der Besitzerin mit viel Liebe zum Detail und zur historischen Substanz renoviert und eingerichtet.

  • Um den Charme des Stöcklis zu erhalten, wurde beim Renovieren vor allem geflickt. Alte Baustoffe wurden wiederverwendet.


Wann wird der Heimatschutz aktiv?
Wir stehen Gemeinden und Bauinteressierten beratend zur Seite und beurteilen Bauvorhaben. Unsere Bauberater/innen geben Fachberichte mit Empfehlungen ab. Meist werden diese gut aufgenommen und gemeinsam entstehen neue Lösungen.

Und wenn sich Heimatschutz und Bauherrschaft doch einmal nicht einig sind?
Dann entscheiden die lokalen Baubehörden. In besonders krassen Fällen legt der Heimatschutz Rechtsmittel ein. Wir verstehen uns als Anwalt des gebauten Erbes des Kantons Bern. In umstrittenen Fällen entscheiden die Gerichte.

Was sind die grössten Herausforderungen für den Berner Heimatschutz?
Der Kanton Bern entlässt bis 2020 rund 14 000 wertvolle Gebäude aus dem Bauinventar. Es weht ein rauer politischer Wind. Die Arbeit geht uns sicher nicht aus. Wir setzen uns dafür ein, dass wertvolles Kulturerbe erhalten bleibt.

Sie sprechen von der Zukunft. Interessieren sich junge Menschen überhaupt für den Heimatschutz?
Ja. In der Stadt Bern und in einigen Regionalgruppen haben wir auch junge Architektinnen und Architekten unter den Bauberatenden und in den Vorstandsgremien. Auch junge Kunsthistoriker/innen sind unter den Mitgliedern zu finden. Wie viele andere Vereine wünschen wir uns aber noch mehr junge Leute in unseren Reihen. Darum bieten wir auch eine attraktive Jugendmitgliedschaft an. Auch zukünftige Generationen sollen eine Heimat haben.

Zur Person

Luc Mentha (66) hat Wurzeln in zwei Ländern: in der Schweiz und in Frankreich. Heimat besteht für den Politiker aus vielen kleinen, authentischen Details. Als Beispiel nennt er die Bettflasche, die ihm seine Mutter als Kind jeweils vor dem Zubettgehen angeboten hat. Auch schöne, alte Häuser aus der schweizerischen und der französischen Baukultur machen Menthas Heimat aus.

Heute ist Luc Mentha Vizepräsident des Vereins Berner Heimatschutz (www.bernerheimatschutz.ch). Erste Verbindungen zum Thema hatte er während seiner Amtszeit als Gemeindepräsident von Köniz (2004–2013). «Die Ortsentwicklung war für mich damals das interessanteste Geschäft.» Mentha durfte im Jahr 2012 den Wakkerpreis für seine Gemeinde entgegennehmen. Der Schweizer Heimatschutz belohnte Köniz damit für die vorbildliche Siedlungsentwicklung.

Seit 2010 ist Mentha Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern. In der Bau-, Energie-, Verkehrs- und Raumplanungskommission (BaK) setzt er sich für den wertschätzenden Umgang mit der Schweizer Baukultur ein.

Heimatschutz: Dialog zwischen Fachwelt und Allgemeinheit

Der Berner Heimatschutz führt regelmässig öffentliche Veranstaltungen, Führungen und Tagungen zu baukulturellen Themen durch.
www.bernerheimatschutz.ch/veranstaltungen

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

BEKB-Immobilientage

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz