Verbessert, verbreitert, verbunden

Brücken verbinden. Orte. Menschen. Regionen. Und jemand muss sie bauen, die Brücken. Einer, der sich gut damit auskennt, ist Dr. Armand Fürst, dipl. Bauingenieur. Er leitet die Sanierung des Saaneviadukts in Gümmenen.

Über 100 Jahre alt und 400 Meter lang ist das beeindruckende Bauwerk. Bestehend aus einem Natursteinviadukt und einer Stahlfachwerkbrücke, gilt die Konstruktion als Zeugin der industriellen und verkehrstechnischen Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Die Brücke ist als signifikantes Element der Landschaft im Saanetal denkmalgeschützt, was die nötige Sanierung umso anspruchsvoller macht. Dafür braucht es die richtigen Leute. Nach dem Studienauftrag wird 2013 das Siegerprojekt aus 16 Projektvorschlägen gekürt: Armand Fürst und sein Team erhalten den Auftrag. Der renommierte Bauingenieur erzählt über das Projekt.

Armand Fürst, was gefällt Ihnen am Brückenbau?
Brücken sind prägende Bauwerke und stehen immer im Kontext zum Ort. Ihre Gestalt wird einerseits durch technische Anforderungen geprägt, andererseits hat sie auch ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Der Ingenieur ergänzt also seinen gewohnten Aufgabenbereich, der sich dem Suchen nach technisch optimalen Lösungen widmet. Genau das macht das Brückenbauen äusserst kreativ und vielfältig.

«Der Einsatz des richtigen Materials beim Brückenbau ist von der entsprechenden Situation abhängig und soll technisch und gestalterisch begründbar sein.»

Welche Brücke ist Ihr Liebling?
Ich mag Brücken, deren Gestalt nicht bereits nach dem ersten Betrachten erklärbar ist. Ein Bauwerk, das mich beeindruckt, ist die Ganterbrücke von Christian Menn. Durch die Spiegelung der Rossgrabenbrücke von Robert Maillart entsteht ein unerwartetes und spannendes Erscheinungsbild.

Der Saaneviadukt auf der Strecke Bern–Neuenburg ist über 115 Jahre alt. Sie sind mit der Sanierung beauftragt, die im Herbst 2018 begonnen hat – keine einfache Aufgabe.
Oh ja, die Herausforderungen sind vielschichtig. Das Bauwerk ist alt, was die Beurteilung der Bausubstanz erschwert, da der Ingenieur die Anforderungen an das bestehende Bauwerk in die heutige Zeit transportieren muss. Die lückenhafte Dokumentation von Schadensbildern, die wir in Bezug zur Bauwerksgeschichte zurückverfolgen, erschwert die Arbeit zusätzlich. Die grösste Herausforderung bot jedoch der extrem kurz bemessene Betriebsunterbruch von fünf Wochen, in denen wir den gesamten Abschnitt von 1,3 Kilometern auf eine Doppelspur ausbauen mussten. Dieser bedingte eine minutiöse Planung aller Bauarbeiten, ein gut instruiertes und vorbereitetes Team sowie das Vorfabrizieren diverser Bauteile. Umso glücklicher bin ich, dass alles so gut geklappt hat.

  • Der Saaneviadukt: Seit 1901 überspannt er die Saane und die breite Talebene.

  • Damit der Viadukt auch in Zukunft einer leistungsfähigen Infrastruktur entspricht, wird er auf zwei Spuren ausgebaut.

  • Die BLS passt ihn den heutigen Anforderungen an und bewahrt seine Geschichte, indem sie ihn umfassend erneuert.

  • Das denkmalgeschützte Bauwerk auf der Strecke Bern–Neuchâtel besteht aus einem Natursteinviadukt und einer Stahlfachwerkbrücke.

«Der Saaneviadukt ist ein wunderschönes Brückenobjekt, für das jeder Ingenieur sein Herz geben würde.»

Weshalb denken Sie, hat Ihr Projektvorschlag überzeugt?
Ein gutes Projekt muss in allen Bereichen überzeugen können. Die Neuinterpretation des Fachwerks der Saanequerung hat die Jury durch das ungewohnte Bild sicher zu Diskussionen angeregt.

Der Viadukt ist denkmalgeschützt. Inwiefern prägt das Ihre Arbeit?
Die Eintragung im Bauinventar bedeutet, dass der kulturhistorische Wert des Objekts besonders gross ist. Die Planung von Massnahmen erfolgt also in enger Absprache mit den zuständigen Ämtern. Eingriffe in die Bausubstanz müssen wir minimal halten. Auch die neuen Bauteile sind zurückhaltend gestaltet, um den Ausdruck des Bauwerks nicht zu schmälern. Alles in allem ist der Saaneviadukt ein wunderschönes Brückenobjekt, für das jeder Ingenieur sein Herz geben würde.

Die Sanierung ist in Etappen aufgeteilt.
Richtig. Die Sanierung startete im September 2018 mit den vorgezogenen Arbeiten am Damm Gümmenen, darauf folgten die Erdbauarbeiten. Im Januar 2019 haben wir mit der Vorfabrikation der erforderlichen Bauteile begonnen und so die Arbeit an den Kunstbauten in Angriff genommen. Diese betrifft die Verbreiterung des 400 Meter langen Viadukts. In den Sommerferien 2020 folgte der anspruchsvollste Teil: der Ausbau des vorbereiteten Trassees auf die Doppelspur innerhalb von nur fünf Wochen.

«Ein gutes Projekt muss in allen Bereichen überzeugen können. Die Neuinterpretation des Fachwerks der Saanequerung hat die Jury durch das ungewohnte Bild sicher zu Diskussionen angeregt.»

Welchen Bezug haben Sie zu Brücken? Insbesondere zum Saaneviadukt?
Ich liebe die Auseinandersetzung. An den bestehenden Objekten können die Entwicklungsschritte im Brückenbau, aber auch der Zeitgeist abgelesen werden. Gerade historische Brücken wie das Saaneviadukt geben vielerlei Hinweise, die die eigene Tätigkeit im Sinne von «Kennst du das Alte, wird dir das Neue klar» prägen.

Der Saaneviadukt – ein Projekt, das Ihnen in Erinnerung bleiben wird?
Der Umgang mit Brücken mit denkmalgeschützter Substanz ist besonders delikat, weshalb der Saaneviadukt für mich eine Schlüsselstellung einnimmt. Der Brückenerhalt unterscheidet sich vom Brückenneubau insofern, als beim Erhalt die Gedanken des Erschaffers durchdrungen werden müssen. Jedes bestehende Brückenobjekt hat sowohl technisch als auch gestalterisch seine Eigenheiten, die es zu respektieren gilt, die Rahmenbedingungen sind gesetzt. Übrigens: Nach Abschluss unserer Arbeiten ist eine Sanierung der Saanebrücke frühestens wieder in 100 Jahren nötig.

Text: Laura Marti

Dr. Armand Fürst
dipl. Bauingenieur

Das Studium zum Bauingenieur HTL am Technikum Burgdorf weckt seine Neugier, die Freude an der Planung von Tragwerken entsteht. Kurz in der Praxis tätig, will Armand Fürst sein Wissen vertiefen und beginnt das Studium an der ETH Zürich. Vorlesungen bei Christian Menn, als bedeutender Schweizer Brückenbauer bezeichnet, und dem Bauingenieur und namhaften Wissenschaftler Peter Marti, bei dem er auch doktorierte, prägen sein Schaffen und seine Denkweise. Heute ist Fürst Mitinhaber des Ingenieurbüros Fürst Laffranchi. Seine Aufgaben sind vielschichtig, umfassen den Entwurf, das Erarbeiten von technischen Lösungen, die Ausschreibung der Bauarbeiten und schliesslich das Begleiten der Bauarbeiten bis zur Fertigstellung des Umbaus.

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