Post aus der Natur

Vogel, Fuchs und Tanne, die aus ihrem Leben schreiben? Nichts leichter als das, wenn ihnen jemand wie Verena Zürcher den Stift führt. Die Emmentalerin macht sich mit ihrem Kinderprojekt «Naturpost» für die Umwelt stark.

Ihre Namen sind so einfach, ihre Botschaft aber gross. Anne Tanne und Florence Fichte, zwei Nadelgehölze, die mehr sein wollen als schmucke Weihnachtsbäume. Oder Stefano Sperber, der Greifvogel, der beim Jagen seiner Beute nur der Zweitschnellste ist. Was diese kauzigen Figuren eint? Sie und ihre Geschichten stammen alle aus der Feder von Verena Zürcher.

Nur ist das normalerweise streng geheim. Denn eigentlich erzählen die Waldbewohnerinnen und Waldbewohner ihre Geschichten selbst – in Form von Briefen, die sie jeden Monat an interessierte Kinder versenden. Mit dieser «Naturpost», wie Verena Zürcher ihr Herzensprojekt nennt, schlägt sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Sie unterhält mit Geschichten, bringt Kinder zum Lesen, die es sonst nur ungern tun, und leistet somit viel in Sachen Naturbildung.

«Manche Kinder kennen vieles vor ihrer eigenen Haustür nicht mehr», resümiert die Autorin, die hauptberuflich als Primarlehrerin arbeitet. Mit der «Naturpost» will sie dieser Entwicklung entgegenwirken – süffige Geschichten, aber angereichert mit Wissenswertem aus der Natur. Was darf man einem Igel füttern? Warum ist es nicht gut, wenn der Garten vor allem aus Steinen besteht?
 

  • Liebevoll gestaltete Briefe mit Geschichten aus der Natur gelangen jeden Monat an interessierte Kinder.

  • Ihre Geschichten schreibt Verena Zürcher am liebsten in einem renovierten Bauwagen am Waldrand.

  • Die Tiere der einheimischen Wälder sind die Stars der Kindergeschichten.

Von klein auf sensibilisiert

Die Idee zur «Naturpost» hatte Verena Zürcher im Sommer 2020. Dabei ist es längst nicht ihr einziges Engagement, mit dem sie für Umweltthemen sensibilisiert. Die Langnauerin hat sich zur Rangerin ausbilden lassen – ein Amt, um in Schutzgebieten über Regeln und Ordnung aufzuklären. Mit ihrer Schulklasse verbringt sie ausserdem ganze Tage im Wald. Fixpunkt ist ein eigens renovierter alter Bauwagen, in dem oft auch die Ideen für neue «Naturpost»-Texte entstehen. Warum macht sie sich so stark für die Anliegen der Natur?

«Das wurde mir in die Wiege gelegt», so Verena Zürcher. Bauerntochter, die Mutter eine Vogelfreundin – ihr sei immer klar gewesen, dass die Menschen von und mit der Natur leben. Und heute spürt sie gegenüber der nächsten Generation eine Verantwortung, mit ihren Mitteln etwas zum Naturschutz beizutragen.

Kann das mit einem Schreibprojekt wie der «Naturpost» gelingen? «Da glaube ich fest daran», sagt Verena Zürcher. Sie merkt es, wenn sie mit den lesenden Kindern unterwegs ist. Auf einmal sind sie aufmerksam und stören sich über den Abfall im Wald, den sie sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätten. Und manche Kinder sind so bewegt, dass sie gleich selbst zum Stift greifen. «Wenn sie an Anne Tanne oder an Fabiola Fuchs schreiben, erhalte ich oft schöne Briefe zurück», erzählt die Autorin lachend – auch wenn die Freude der Kinder anderen, ganz kauzigen Wesen gilt. 

Text: Marc Perler

Verena Zürcher: Macherin und Schreiberin

Verena Zürcher ist ehemalige Verlegerin und heute Lehrerin, Rangerin und Botschafterin für Naturthemen. Zu Beginn der Coronapandemie hat die Langnauerin die «Naturpost» ins Leben gerufen – einmal im Monat erhalten Kinder Post von einer Naturbewohnerin oder einem Naturbewohner: neben einer Geschichte auch oft inklusive einer thematisch passenden Überraschung. Die «Naturpost» ist im Jahresabo erhältlich. 

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