Stark gefordert und Stärke bewiesen

Der aktuelle Berner KMU-Barometer zeigt, dass viele Berner Unternehmen krisenresistent sind. Doch die Pandemie ist nicht die einzige Herausforderung. Was zeichnet ein starkes KMU aus, und was können wir dazu beitragen? Wir fragen nach bei Ernst Kühni, Präsident des Gewerbeverbands Berner KMU.

Ernst Kühni, eineinhalb Jahre Pandemie liegen hinter uns. Der Gewerbeverband Berner KMU hat im Herbst den zweiten Berner KMU-Barometer veröffentlicht – wie steht es um die lokale Wirtschaft?
Mit Freude kann ich sagen, dass unsere KMU beeindruckend krisenresistent sind. Dies zeigt der Barometer 2021 auf eindrückliche Art und Weise. Die Mehrheit der Berner Unternehmen hat während der Coronakrise keine Hilfsgelder der öffentlichen Hand in Anspruch genommen. Trotzdem hat sich die Situation – verglichen mit dem ersten Berner KMU-Barometer im Herbst 2020 – deutlich verbessert, und es sehen sich mehr Berner KMU als Gewinner der Pandemie. Die Lage hat sich auch für diejenigen Unternehmen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind, wieder etwas entspannt.

«Als Präsident des Gewerbeverbands Berner KMU setze ich mich dafür ein, dass das Leben für unsere KMU wieder ein bisschen einfacher und die administrative Last nicht stetig grösser wird.»

Ernst Kühni

Was ist ausschlaggebend für diese Stärke?
Unsere KMU sind es gewohnt, selbständig neue Lösungen zu suchen und zu finden. Das heisst auch, dass sie sich und ihre Dienstleistungen neuen Umständen anpassen müssen – und können. Dies hat sich zuletzt in der Coronakrise bestätigt: Bei rund der Hälfte der Berner KMU hat die Pandemie zu einer Veränderung der Firmenkultur geführt und in der Arbeitsweise bleibende Spuren hinterlassen. Beispiel Homeoffice: Zwar wurde diese Möglichkeit bereits vor der Pandemie von rund jedem siebten Unternehmen angeboten, der Anteil hat sich nun aber fast verdreifacht. Rund ein Viertel (28 Prozent) der Berner KMU wird auch nach der Pandemie weiterhin Homeoffice anbieten, was fast einer Verdoppelung entspricht. Auch im Bereich Digitalisierung geht was: Für gut zwei Fünftel der Unternehmerinnen und Unternehmer hat die Wichtigkeit der Digitalisierung in den letzten sechs Monaten noch einmal zugenommen.

Abgesehen von der Pandemie stehen die KMU im Wirtschaftsraum Bern auch vor anderen Herausforderungen. Welche sind das?
Sicherlich die überdurchschnittliche Belastung der Unternehmen und der natürlichen Personen durch Steuern und Abgaben im Kanton Bern. Diese muss reduziert und dem gesamtschweizerischen Durchschnitt angenähert werden. Auch administrative Belastungen wirken sich wie Fixkostenblöcke auf unsere KMU aus: Je höher die Regulierungskosten, desto grösser die Produktivitäts- und Wettbewerbsverluste der KMU. Gerade für kleine Unternehmen kann dies ein gravierender Nachteil sein. Als Präsident des Gewerbeverbands Berner KMU setze ich mich dafür ein, dass das Leben für unsere KMU wieder ein bisschen einfacher und die administrative Last nicht stetig grösser wird.

«… die KMU gehören zu uns, ohne sie funktioniert unser Land auf Dauer nicht, und ohne sie gibt es keine stabile Wirtschaft.»

Ernst Kühni

Wie kann die Gesellschaft helfen, hiesige KMU zu unterstützen?
Im Grunde ganz einfach: Indem sie – wann immer möglich – beim lokalen Gewerbe die Produkte bezieht und einkauft. Der Gewerbeverband Berner KMU hat deshalb letztes Jahr auch die Aktion «Lokal ichoufe – mit Härz für ds Gwärb» lanciert, denn die KMU gehören zu uns, ohne sie funktioniert unser Land auf Dauer nicht, und ohne sie gibt es keine stabile Wirtschaft. Es gilt deshalb, die Gesellschaft immer wieder zu sensibilisieren, damit sie lokale und regionale KMU und deren Dienstleistungen berücksichtigt.

Interview und Text: Maria van Harskamp

Gewerbeverband Berner KMU
Der Gewerbeverband Berner KMU ist der Dachverband der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Kanton Bern. Er ist der grösste Wirtschaftsverband im Kanton Bern.
Mit konkreten Kampagnen wie «Der Staat als Konkurrent: Fair ist anders!» und «Rendez-vous Job» setzt er den Hebel dort an, wo die Mitglieder der KMU-Schuh drückt. Schwerpunkt und Ziel des Engagements sind ein fairer Wettbewerb mit gleich langen Spiessen und die Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials. Verbandspräsident Ernst Kühni: «Der Gewerbeverband Berner KMU setzt sich für so viel Staat wie nötig und so wenig Staat wie möglich ein. Das schafft eine solide Grundlage und Spielräume für eine KMU-Wirtschaft, die sich gut entwickelt.» 

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