Abenteuer im Akkord

Einmal die grosse Welt sehen: Das ist der Traum von vielen, aber für Fritz Leuenberger nur das Entree. Im Leben des Berners ist der Aufbruch keine Krönung – sondern die Konstante.

Hundertfach trifft der Mensch tagein, tagaus Entscheidungen aller Art, aber manch eine stellt ein ganzes Leben auf den Kopf. So ein Entschluss ist es, den Fritz Leuenberger am 15. April 1961 in die Tat umsetzt. Mit 21 Jahren steht er an der Strasse vor seinem Elternhaus in Worb und zeigt den Autofahrern seinen Daumen. Im Gepäck sein Erspartes, 350 Franken genau, und das Diplom für die abgeschlossene Kochlehre. Der Planet und seine Schönheit locken ihn fort, «mein Fernweh hatte aber auch etwas mit Flucht zu tun». Als viertes Kind einer Arbeiterfamilie fühlt er sich zu Hause nur wenig akzeptiert, in der Fremde findet er Bestätigung. «Draussen in der Welt habe ich so etwas wie eine zweite Kindheit erlebt.» Eine kindliche Neugier, die Fritz Leuenberger in 50 Jahren in 80 Länder führt. Sein Auskommen findet er als Koch, manchmal als Küchenchef und einmal als Blei-Kupfer-Mineur. Wenn er von Zeit zu Zeit den Weg zurück in die Heimat findet, dann nur als Zwischenhalt – «ein halbes Jahr zurück in Bern, maximal, dann war es wieder da, dieses Reissen in mir».

Ein Weltenbummler, 80 Länder und unzählige Abenteuer. Drei von Fritz Leuenbergers eindrücklichsten Erlebnissen erzählt er hier.

Wagemutig auf hoher See

  • In mehrmonatiger Handarbeit zimmern Fritz Leuenberger und seine Kumpane ihr eigenes Segelschiff.
  • In mehrmonatiger Handarbeit zimmern Fritz Leuenberger und seine Kumpane ihr eigenes Segelschiff.
  • In mehrmonatiger Handarbeit zimmern Fritz Leuenberger und seine Kumpane ihr eigenes Segelschiff.

Mutproben dauern selten länger als ein paar Minuten – nur bei Fritz Leuenberger sind es dreieinhalb Monate. In seinen frühen Zwanzigern segelt er mit einer Gruppe aus furchtlosen Gleichgesinnten von Malaysia nach Australien, alle ohne jegliche Segelkenntnisse. Das Abenteuer startet schon Monate vorher: Statt ein seeerprobtes Schiff zu kaufen, zimmern die Jungspunde kurzerhand ihre eigene Chinesendschunke – einer baut die Kabine, Fritz Leuenberger die Küche. Unterwegs erleben sie kaum eine ruhige Minute. Strömung, Wind und Wetter fordern die jungen Männer heraus, «einmal knallt es richtig, als wir auf einem schroffen Felsen auflaufen». Ein anderes Mal segelt die Truppe auf dem südchinesischen Meer direkt in die Arme einer Handvoll Piraten. «Die haben uns ganz freundlich zum Tee eingeladen», erinnert sich der Berner, Westler wie sie hätten von Seeräubern wenig zu fürchten gehabt. 14 Wochen extreme Herausforderung auf hoher See, «es ist ein Wunder, dass wir überhaupt in Australien angekommen sind».

Trommelkünstler aus dem Nichts

  • Seinen marokkanischen Trommel-Freunden verhilft Fritz Leuenberger zu einem glanzvollen Auftritt.
  • Seinen marokkanischen Trommel-Freunden verhilft Fritz Leuenberger zu einem glanzvollen Auftritt.
  • Seinen marokkanischen Trommel-Freunden verhilft Fritz Leuenberger zu einem glanzvollen Auftritt.

Eine kleine Souvenirtrommel aus Ziegenfell ist der Anfang von Grossem. Fritz Leuenberger ersteht sie um die Jahrtausendwende bei einem Strassenhändler in Marrakesch. Wieder zu Hause, trommelt er vor sich hin, trainiert sein Taktgefühl – der Ehrgeiz packt ihn, obwohl das Musikmachen bisher nicht eines seiner Talente ist. Ein weiterer Besuch in der Roten Stadt, im Südwesten Marokkos, lässt sein Interesse endgültig entflammen: Fritz Leuenberger schafft es, Anschluss an eine aufstrebende Truppe von Strassenmusikanten zu finden. Die jungen Marokkaner weihen ihn ein in die Kunst der musikalischen Trommeltradition, der Berner unterrichtet seine Musiklehrer im Gegenzug in Französisch und Englisch. Die Tage ziehen ins Land, die Wochen vergehen – und mit ihnen viele Probestunden in den Olivenhainen abseits der marokkanischen Grossstadt. Ausgestattet mit farbenfrohen Kostümen kommt die Truppe zu einem glanzvollen Abschluss: dem Auftritt im königlichen Theater, dem «Théâter Royal de Marrakech». Ein Spektakel, das sein Publikum mit einem munteren Reigen von Musik und Akrobatik in den Bann zieht.

Anschub für Gourmet-Traum

  • Selber gekocht hat er auf der ganzen Welt – in Indien unterstützt Fritz Leuenberger eine Familie bei ihrem Restaurant-Traum.
  • Selber gekocht hat er auf der ganzen Welt – in Indien unterstützt Fritz Leuenberger eine Familie bei ihrem Restaurant-Traum.
  • Selber gekocht hat er auf der ganzen Welt – in Indien unterstützt Fritz Leuenberger eine Familie bei ihrem Restaurant-Traum.

Die 18-köpfige Familie aus dem indischen Goa hat nicht viel, als Fritz Leuenberger ihren Weg Anfang der Neunzigerjahre kreuzt: ein schmaler Bau aus Palmenblättern, direkt an der Küste des arabischen Meeres. Umso grösser ist dafür ihr Traum, jener eines eigenen Restaurants. Als Koch und Küchenchef beherrscht der Berner Weltenbummler das Gastronomiehandwerk – ein Wissen, das er auch anderen zugutekommen lässt. Kurzerhand gestaltet er eine ansehnliche Menükarte und zeichnet mit einem Stock den Grundriss für ein Restaurant in den Sand. Beim Besuch im Jahr darauf steht der Rohbau nach seinen Plänen am vordefinierten Platz. Fritz Leuenberger unterstützt die Familie weiter, auch bei der Suche nach Geldgebern. Das Ergebnis ist ein prosperierender Betrieb, «meine Inder haben das Restaurant jetzt zweimal am Tag ausgebucht». Und mehr noch: Mittlerweile zählt ein zweites Lokal direkt am Strand zum Betrieb, angeschlossen ist ein Wassersportzentrum mit Tauchschule. «Ich habe in Indien jetzt achtzehn Leute, die zehnmal reicher sind, als ich es je sein werde», freut sich Fritz Leuenberger. Es sei seine private Entwicklungshilfe, die er auf den Reisen immer wieder leiste, «meine Abenteuer sind nicht nur Selbstzweck, sie sollen auch Sinn stiften».

In «Kurzgeschichten von einer langen Reise», erschienen 2010 im Rotten Verlag, finden sich weitere Abenteuerepisoden aus dem Leben Fritz Leuenbergers.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

BEKB-Nachhaltigkeitstage

27.–29. August 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

BEKB-Familientage

1. September 2019, Reconvilier

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

10. September 2019, Centre culturel Le Royal, Tavannes (französisch)
17. September 2019, centre de rencontre du siège BCBE, Bienne (französisch)
14. Oktober 2019, Hotel Restaurant Weisses Kreuz, Lyss 
16. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz 
22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

9. November 2019, Kongresshaus, Biel