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Wunderland Krankenzimmer

Eine Pause von tristen Tagen, langen Wochen und schweren Gedanken: Wenn Gisela Zwahlen auf junge Patienten trifft, macht sie die Fantasie zur Heilungskomplizin.

Die Tür zum Krankenzimmer geht auf, eine Frau im weissen Kittel tappt über die Schwelle. Nur Sekunden später huscht ein erstes Lachen über das Gesicht der jungen Patienten. Etwas ist anders an diesem Nachmittag im Berner Inselspital. Die Frau im Kittel, Gisela Zwahlen, ist keine Ärztin. Auf ihrem Gewand hat es gestickte Muster, und sie trägt eine rote Nase – alles für einen besonderen Zweck: Nicht heilen ist ihr Antrieb, aber etwas, das den Boden für die spätere Genesung legt. «Als Clownin schenke ich den kleinen Patienten eine Pause vom Spitalalltag», erzählt die Bernerin.

Aufmuntern mit Improvisation

Es sind Pausen, die die Krankheit einen Moment lang vergessen lassen. Momente von Leichtigkeit, von Farbe und von Spiel – Momente, welche die jungen Spitalaufenthalter meist dankbar aufnehmen. Wie der Clownbesuch im Krankenzimmer ausfällt, ist so unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Vor dem Einsatz erhält Gisela Zwahlen lediglich kurze Angaben über die Patienten, über den Hintergrund ihres Spitalaufenthaltes, über heikle Punkte wie Ängste, Heimweh und andere Nöte. In der Situation vor dem Krankenbett ergibt sich spontan, wer für welche humorvollen Mittel am empfänglichsten ist: Improvisierte Slapstick-Clownerien gehören genauso zum Repertoire wie Musizieren, Geschichtenerzählen oder Zaubertricksvorführen.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

  • Mit Musik, Geschichten und spontanen Aktionen erheitert Traumdoktorin Gisela Zwahlen die kleinen Patienten.

Wie die Kinder am besten zu begeistern sind, hat Gisela Zwahlen in über 20 Jahren gelernt. So lange ist sie für die Stiftung Theodora unterwegs, die das Konzept der fantasievollen Spitalmomente heute in acht Ländern anbietet. Als Frau der ersten Stunde hat die Bernerin viel erfahren und ihre Arbeit laufend weiterentwickelt. Bei den ersten Spitalbesuchen kreisten ihre Gedanken vor allem darum, ob sie genügend spontane Mittel findet, auf die ihr Publikum anspricht. «Heute bin ich viel gelassener», so die 55-Jährige, «ich weiss, dass auch Momente dazugehören, in denen nicht viel passiert, in denen ich nur darauf warte, wie ein Kind auf mein Angebot reagiert.»

Ihre feinsinnige Arbeit bringt es mit sich, dass manche Schicksale sie beschäftigen, «auch wenn es wichtig ist, sich abzugrenzen». Dass es nicht immer gelingt, liegt auch an den Begegnungen mit den kleinen Patienten, die sich manchmal über viele Jahre erstrecken. So wie einst, als Gisela Zwahlen bei einem Besuch festgestellt hat, dass sie nicht nur das Mädchen im Spitalbett, sondern vor Jahren bereits deren Mutter begleitet hat.

Knacknuss Teenager

Dr. Gilli Gilli, das ist die Figur, mit der sie wöchentlich ein- oder zweimal Knirpse und Teenies besucht, im Berner Inselspital oder in einem Heim für mehrfachbehinderte Kinder in Biel. Gerade die Arbeit mit jenen Patienten, die das Kindesalter bereits hinter sich haben, gestaltet sich oft anspruchsvoll. «Teenager wollen nicht wie Kinder behandelt werden», so Gisela Zwahlen, «wenn sie von der lustigen Clownfigur hören, geht es oft zuerst darum, Hemmschwellen abzubauen.» Auch für solche Fälle sind die gelernte Kindergärtnerin und ihre Künstlerkollegen von Theodora gewappnet. Ihre Spontaninszenierung von «Insel sucht den Superstar» hat auch ältere Patienten gepackt, die sogleich in die Rolle der Jury schlüpfen durften. Dass solche Aktionen nicht wirkungslos bleiben, davon ist die Clownfrau aus Mittelhäusern überzeugt: «Aus der Forschung wissen wir, dass Humor psychische, aber auch physische Leiden lindern kann.» Sie wisse gar von Fällen, bei denen die Ärzte die Schmerzmitteldosis nach der Humorerfahrung reduzieren konnten.

  • Traumdoktoren der Stiftung Theodora sind in acht Ländern  Europas unterwegs.
  • Allein in der Schweiz beschäftigt Theodora 70 Traumdoktoren.
  • Rund zwei Drittel der Traumdoktoren sind Frauen.
  • 2017 hat Theodora in der Schweiz 100 000 Kinderbesuche  organisiert.
  • Bis heute haben die Traumdoktoren 30 000 Besuchsstunden im Inselspital Bern geleistet.


Der Einsatz der Traumdoktoren, wie Theodora ihre Spitalclowns offiziell nennt, ist an vielen Fronten gefragt. Seit einiger Zeit testet die Stiftung etwa ein spezielles OP-Programm: Gisela Zwahlen und ihre Traumdoktorkollegen begleiten dabei die Patienten auf der ganzen Reise, vom Spitaleintritt über die Operation bis in den Aufwachraum. «Die Operation ist naturgemäss oft das, was die Kinder am meisten fürchten», erklärt die ausgebildete Clownfrau. Auf spielerische Art versuche sie, Ängste abzubauen, etwa indem sie den Weg vom Krankenzimmer in den OP-Raum in eine fesselnde Geschichte packt. So mutiert das rollende Krankenbett schnell einmal zur stolzen Kutsche oder zum rassigen Ferrari. Mindestens so sehr wie dem Nachwuchs hilft das Programm gestressten Eltern, «denn die leiden oft nicht weniger, wenn ihre Kinder auf dem OP-Tisch liegen». Ein entspannter Vater oder eine ruhige Mutter wirke sich wiederum positiv auf das Kind aus, das mit seinen feinen Antennen aufkommende Unruhe schnell spüre.

Keine Chance auf ein zweites Mal

Gisela Zwahlen, selber Mutter zweier erwachsener Kinder, erzählt mit Wärme und Leidenschaft von ihrem ungewöhnlichen Job. Dass sie diesen als erfüllend erlebt, kommt nicht von ungefähr: «Bei der Arbeit als Spitalclownin kommen alle Kenntnisse und Erfahrungen zusammen, die ich mir in den letzten 30 Jahren angeeignet habe.» Als junge Frau bildete sie sich zur Kindergärtnerin aus und besuchte parallel dazu eine Abendschauspielschule. Später tourte sie mit einer Clown- und Mimenkompanie durch die Lande. Heute arbeitet sie in einem Teilzeitpensum als Integrationslehrerin für Kinder mit Autismus. Eine Berufsfrau mit so viel Erfahrung – werden neue Erlebnisse seltener und die Routine häufiger? Gisela Zwahlen winkt ab: «Gar nicht. Gerade in der Arbeit als Spitalclownin gibt es nie ein zweites Mal. Jedes Kind ist anders, jede Geschichte individuell und jeder Moment verlangt spontanes Handeln.» Die einzigen Fixpunkte sind der bunte Kittel und die rote Nase, mit denen sie jetzt mit Neugier ins nächste Spitalzimmer eintritt.

Agenda

School Dance Award

24. Februar 2019, Kongresshaus CTS, Biel

Sitzkissenkonzerte für Kinder ab vier Jahren

26. Februar 2019, Stadttheater Bern
27. Februar 2019, Stadttheater Bern
6. März 2019, Stadttheater Bern

After-Business-Konzerte

27. Februar 2019, BEKB Bundesplatz, Bern
27. März 2019, BEKB Bundesplatz, Bern

KMU Frauen Frühlingsanlass

9. April 2019, BEKB Betriebsgebäude, Bern-Liebefeld

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

2. Mai 2019, Saalbau, Kirchberg
9. Mai 2019, Hotel National, Bern

Generalversammlung der BEKB

14. Mai 2019, Bernexpo, Bern

BEKB-Familientage

25. Mai 2019, Gurten, Bern
26. Mai 2019, Solothurn