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Zwischen Fisch und Mensch

Einmal tief Luft holen, gefolgt von einer mehrminütigen Atempause: Ohne Sauerstoff macht sich Roger Michel auf, den Thunersee und die Weltmeere zu entdecken. Wie Freitaucher von heute zum Ursprung des Tauchens zurückfinden.

Der längste Tauchgang kommt vor der Geburt. Umgeben vom Fruchtwasser wächst der Embryo heran und macht den ersten eigenen Atemzug erst nach der Entbindung. Es ist das Beispiel, das Roger Michel gerne heranzieht, wenn er verdeutlichen will: Der Mensch ist das perfekte Wasserwesen. In den ersten Lebenswochen sorgt der Tauchreflex beim Baby dafür, dass die Atmung unter Wasser automatisch aussetzt. Diese Fähigkeit verliert sich später. «Mit Training kann man es schaffen, der Atempause entspannter zu begegnen und sie zu verlängern», weiss der erfahrene Freitauchtrainer. Mit etwas Übung schaffe es fast jedermann, drei Minuten lang die Luft anzuhalten.

Es ist ein Training, dass der Berner Oberländer in den letzten zehn Jahren perfektioniert hat – und eines, das ihm unvergleichliche Erlebnisse verschafft. Ausgerüstet nur mit Neoprenanzug und Tauchflossen gleitet er regelmässig in die Tiefen des Thunersees. «Ganz bei mir zu sein, mich zu entspannen und dabei loszulassen, das macht für mich den Reiz des Freitauchens aus.» Der Verzicht auf schweres Tauchgerät, das Lärm erzeugt und Sauerstoffblasen wirft, zieht weitere Effekte nach sich: «Ich fühle mich der Natur sehr viel näher, und die Unterwassertiere reagieren gelassener, wenn ich in ihre Welt eindringe.»

  • Vor mehr als zehn Jahren hat der Thuner Roger Michel die Faszination Freitauchen für sich entdeckt.

  • In der Stille des Wassers finden Freitaucher wie Roger Michel Entspannung und neue Sinneseindrücke.

  • In der Stille des Wassers finden Freitaucher wie Roger Michel Entspannung und neue Sinneseindrücke.

  • Mit Spielen unter Wasser, hier dem Zusammensetzen eines Puzzles, trainieren Freitauchschüler die Atempausen.

Was für Unkundige fast revolutionär klingt – tiefe Tauchgänge ohne maschinellen Sauerstoff –, ist in Wahrheit die ursprünglichste aller Tauchformen. Eine erste Überlieferung geht auf einen südschwedischen Stamm zurück, der diese Methode bereits vor über 7700 Jahren angewandt hat, um Meeresfische zu fangen. Heute ist das Apnoetauchen, wie sich der Sport im Fachjargon nennt, zu einer beliebten Freizeitaktivität geworden. Roger Michel, der Anfänger und Fortgeschrittene im Freitauchen ausbildet, hat das steigende Interesse hautnah erlebt. Waren es anfangs 30 Schüler, die sich ihm in einer Saison anvertraut haben, sind es heute deren 130. Was die Neugierigen am natürlichen Tauchen fasziniert, ist so unterschiedlich wie die Aspiranten selbst. Für manche ist es der geruhsame Plausch an einem Naturerlebnis, andere wiederum suchen den Kick im Wettkampf.

Kein Hunger nach Rekorden

Für Apnoeleistungssportler haben sich in den letzten Jahren neue Möglichkeiten aufgetan. Meisterschaften werden sowohl in der Schweiz als auch international ausgetragen. Die Wettkämpfer messen sich meist in drei Disziplinen: im statischen Tauchen, bei dem die Teilnehmer bewegungslos möglichst lange unter Wasser bleiben, im dynamischen Tauchen, das die Distanz im Unterwasserschwimmen misst, und im Tiefentauchen, wo der Reiz im Abtauchen auf möglichst viele Tiefenmeter liegt. In letzterem hat es Roger Michel auf 42 Tiefenmeter geschafft, beim statischen Tauchen liegt sein persönlicher Rekordwert bei 6 Minuten und 47 Sekunden. Mit gezielter Übung könnte er seine Bestleistungen locker ausbauen, wie der 41-jährige Heimberger sagt, nur: «Das ist nicht mein Ziel. Anfangs hat die Rekordjagd einen gewissen Reiz ausgemacht, heute bedeutet Freitauchen für mich vielmehr Genuss und Runterfahren.»

Unabhängig vom Ziel, das ein Apnoetaucher mit dem Sport verbindet: Die Grundlagen sind für alle dieselben. Im Einsteigerkurs nach den offiziellen PADI-Richtlinien macht Roger Michel die Teilnehmer mit Atem- und Entspannungstechniken vertraut – Elemente, ohne die kein Weiterkommen möglich ist. «Wer nicht lernt, auf den Punkt zu entspannen, verbraucht viel zu viel Energie, um mit nur einem Atemzug zu tauchen.»

Oft geht es bei Anfängern zuerst nur darum, ihnen die Angst vor der Atempause zu nehmen. Mit einem spielerischen Ansatz weiht der Trainer seine Debütanten in die Welt der Freitaucher ein. Er lässt sie unter Wasser etwa ein Puzzle zusammensetzen oder Schere, Stein, Papier auf drei Punkte spielen. Eine zögerliche Frau, die der Literatur zugetan war, hat er mit einem besonderen Kniff gepackt: «Ich habe auf dem Beckengrund ein Gedicht angebracht, das die Teilnehmerin ohne Probleme in einem Atemzug auswendig gelernt hat.»

Die Welt ertauchen

Erfolgserlebnisse wie dieses sind für Roger Michel die grösste Motivation, um Zeit in die Ausbildung des Nachwuchses zu investieren. Um die Taucherfamilie besser zu vernetzen, hat er ausserdem vor einem Jahr mit Gleichgesinnten den Verein Free Dive Bern  gegründet.

Neben Traineramt und Funktionärsarbeit schätzt er besonders jene Momente, in denen er die Faszination am Freitauchen selber erleben kann. Den Tauchgängen, die aus Sicherheitsgründen immer zu zweit stattfinden, sind kaum Grenzen gesetzt: Neben dem Thunersee taucht der Berner in der felsigen Tessiner Maggia, am Riff in der ägyptischen Soma Bay, mit Haien an der Baja California oder, wie einmalig, unter dem Eis des gefrorenen Oeschinensees. Zu den schönsten Taucherlebnissen zählt er jedoch solche, die nicht den grössten Adrenalinkick versprechen – sondern jene mit der eigenen Familie: «Das ist etwas vom Besten, was mir passieren konnte», lacht Roger Michel, «ich habe auch Frau und Kinder mit dem Tauchvirus angesteckt.»

Agenda

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. Mai 2018, Stadttheater, Langenthal
7. Mai 2018, Hotel National, Bern
11. November 2018, Kongresshaus, Biel
11. November 2018, Salle des Fêtes, Reconvilier

BEKB-Familientage

26. Mai 2018, Gurten, Bern
3. Juni 2018, Studen
3. Juni 2018, Thun
17. Juni 2018, Solothurn
11. August 2018, Utzenstorf
2. September 2018, Reconvilier

Theater Gurten «ABEFAHRE! STRESSFREI IN 5 TAGEN»

20.6. –29.8.2018, Gurten, Bern

Der BEKB Förderfonds unterstützt das Theater und offeriert allen BEKB-Kunden einen Rabatt von 5 Franken auf den regulären Ticketpreis.

Tickets unter: www.theatergurten.ch

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Spannende Ausflugstipps

Es gibt unzählige Fleckchen, die sich wunderbar für einen Familienausflug eignen. Die BEKB präsentiert Ihnen online die schönsten Familienplätze Ihrer Region.

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