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Alles kann, nichts muss

Eine Hochzeit kommt heute auch ohne Kirchenglocken aus. Romantik suchen die Paare stattdessen unter freiem Himmel und im Festsaal. Michael Bucher ist Zeremonienleiter und hat schon etliche Paare verheiratet, die sich für eine freie Trauung entschieden haben. Wir haben mit ihm über Liebesversprechen, die lebenslange Liebe und seine eigene Hochzeit gesprochen.

Freie Trauungen liegen im Trend. Was unterscheidet sie von der kirchlichen Trauung?
Alles kann, nichts muss. Sie sind so beliebt, weil sie individuell gestaltbar und meistens viel persönlicher und berührender sind als die Trauungen auf dem Zivilstandesamt oder in der Kirche. Weiter sind sie nicht an einen Ort oder eine Zeit gebunden. Wichtig: Eine freie Trauung ersetzt nicht die standesamtliche Eintragung. Für viele erfolgt sie zusätzlich zur zivilen Hochzeit – aber nicht für alle: Gleichgeschlechtliche Paare beispielsweise, denen das Heiraten verwehrt bleibt, wählen die freie Trauung als Möglichkeit für ein gegenseitiges Liebesversprechen.

Wie und wo wird heute geheiratet?
Obschon fast alles möglich wäre, wünschen sich viele eine klassische Zeremonie in einem schönen Saal oder unter freiem Himmel im Hotelgarten. Die Braut trägt ein weisses Kleid und wird von ihrem Vater zum Bräutigam geführt. Wieso nicht von der Mutter? Oder von beiden Eltern? Das fände ich schön – und zeitgemäss! Ich habe aber auch schon Eheleute im Wald oder auf der Skipiste getraut. An beide Zeremonien kann ich mich gut erinnern: Bei Ersterer zog ein Gewitter auf, und just nach dem Ja-Wort schüttete es vom Himmel. Wir haben in einer Grotte Unterschlupf gefunden, die Stimmung war einzigartig und keineswegs betrübt. Bei der Pistenhochzeit hingegen war es strahlend schön, und der Schnee hat entsprechend geblendet. Da hab ich die Rede mit zugekniffenen Augen gehalten – die Gäste haben zum Glück Sonnenbrillen getragen.

Was sind Ihre Aufgaben als freier Zeremonienleiter?
Ich begleite Paare hin zur Trauung, um ihnen vor versammelter Familie und den engsten Freunden das Ja-Wort zu entlocken. Der grösste Teil meiner Aufgabe liegt nicht in der Zeremonie selbst, sondern in der Vorbereitung. Hier bin ich hauptsächlich Zuhörer, lerne das Paar, ihre Beziehung, Wünsche und Vorstellungen kennen. Im ganzen Vorbereitungsstress geht bei den Verliebten oftmals der Urgedanke des Bündnisses verloren: Welche Bedeutung hat es, worum geht es beim Versprechen? Ich überlege mir dann, wie man diese Verbindung bei der Zeremonie zum Ausdruck bringen kann.

Sie und Ihre Frau haben sich auch für eine freie Trauung entschieden. Hat Sie eine Berufskollegin oder ein Berufskollege getraut?
Jein. Ich habe die Zeremonienleiterin San Graf durch meine Frau kennengelernt. Wir hatten uns damals für eine Zeremonie rund um die vier Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde entschieden. Als Ritualgestalterin hat San Graf diese gezielt in die Vermählung mit einbezogen. Ich habe viel von ihr gelernt und bin glücklich, sie heute bei uns im Team zu haben.

Glauben Sie an die lebenslange Liebe?
Unbedingt! Sie ist möglich, wenn man sich aktiv damit beschäftigt und sich mit ihr auseinandersetzt, Zeit und Achtsamkeit investiert und Partnerschaft und Beziehung als ein Vehikel für persönliches Wachstum und Entwicklung versteht.

Wie gelingt es, dass eine Beziehung ein Leben lang hält?
Das weiss ich nicht. Ich vermute aber durch Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Offen, klar, ehrlich und transparent. Mit sich selbst. Mit seinem Partner, seiner Partnerin, mit Freunden, mit seinem Umfeld. Das schafft Vertrauen. Wir sollten den Fokus vermehrt auf das Sein richten und uns darüber austauschen, wie es uns wirklich geht. Leider ist es in unserer Kultur nicht selbstverständlich, über Gefühle und inneres Empfinden zu sprechen. Wir lernen kaum, uns richtig zu spüren und auf unser Innerstes zu hören. Dabei beginnt eine gute Partnerschaft doch bei mir selbst!

Lassen Sie Ihre Beziehungstipps in die Reden einfliessen?
Liebe besteht nicht nur aus Sonnenschein – das ist so. Aber will ich das bei der Trauung hören? Und eine zwar gut gemeinte, aber wenig aussagende Floskel nachgeschoben bekommen? Ich persönlich kann da gut darauf verzichten und versuche als Zeremonienleiter nicht belehrend aufzutreten. Beim Kennenlernen und Austausch mit dem Paar spreche ich sicher über die Bedeutung von Partnerschaft und Liebe – aber ich hüte mich davor, Tipps zu geben

Gibt es Wörter oder Sätze, die bei keiner Trauung fehlen dürfen? Wie lauten sie?
Ein Wort: Liebe. Ein Satz: Jeder lange Weg besteht aus kleinen Schritten.

Der gebürtige Solothurner Michael Bucher ist Moderator, Kommunikationstrainer und freier Zeremonienleiter. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in der Nähe von Bern. Hier initiierte er 2003 das Filmfestival «Shnit». Nach seiner ersten Moderation auf einer Hochzeit gründete er kurz darauf das Traumich-Netzwerk, um zusammen mit seinem Team Liebespaare in der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland zu trauen. www.mikebucher.com, www.traumich.ch

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