Der Tod kam früher

Wir erwarten, dass wir lange leben – ein Leben lang. Unser Tod liegt stets in ferner Zukunft. Heute rechnet man in der Schweiz mit einer Lebenserwartung von 83,4 Jahren. Die durchschnittliche Lebenszeit hat sich in den vergangenen 150 Jahren verdoppelt.

Niemand hört es gerne. Aber es ist, wie es ist: Unsere Lebenszeit ist endlich. In der Schweiz sind uns heute 83,4 Jahre vergönnt. Durchschnittlich. Im Vergleich zu unseren Vorfahren werden wir – falls wir das Glück haben – uralt: Im Jahr 1876 starb man meist bereits mit knapp 42 Jahren. «Das ist kein Alter» werden Sie jetzt denken. Heute nicht mehr, Sie haben recht. Die Zeiten haben sich geändert.

Das belegen auch die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik: Im Jahr 2017 betrug die Lebenserwartung der in der Schweiz wohnhaften Männer bei Geburt 81,4, diejenige der Frauen 85,4 Jahre. Kaum zu glauben – es ist keine 150 Jahre her, da wurden unsere Vorfahren im Durchschnitt nur halb so alt!


Gute alte Zeit?

Pest, Cholera, Typhus, Pocken – Jahrhunderte lang bedrohten Epidemien das Leben der Menschen in Europa. Hungersnöte forderten immer wieder Opfer. Die Sterblichkeit war hoch. Am schlimmsten traf es Säuglinge und Kinder; nur eines von zwei Neugeborenen erreichte das Erwachsenenalter.

Mitte des 14. Jahrhunderts verbreitete vor allem die Pest Angst und Schrecken. Der «Schwarze Tod» forderte so viele Opfer wie keine andere Krankheit. Ganze Landstriche verödeten. Zwischen 1349 und 1493 wurde die Stadt Bern von mindestens zehn Seuchenzügen heimgesucht. Beim ersten Auftreten der Pest starben täglich bis zu 60 Menschen. Die Zahl der Toten ist nicht überliefert. Bekannt ist aber, dass sich die Bevölkerungszahl dramatisch reduzierte. In anderen Schweizer Städten wie Basel starb 1349 die Hälfte der Einwohner.

Im Jahr 1720 wurde die letzte Pestwelle Europas mit Quarantänemassnahmen bezwungen. Dennoch blieben lokale Missernten und Infektionskrankheiten auch im 18. Jahrhundert Haupttodesursache: 15 bis 20% jedes Geburtsjahrgangs starben an den Pocken. Im Jahr 1770 wurden die Menschen durchschnittlich gerade mal 34,3 Jahre alt.


Kartoffeln für ein längeres Leben

Im 18. Jahrhundert griffen die strengen Quarantänevorschriften der absolutistischen Staaten. Die todbringenden Seuchen wurden vermehrt eingedämmt. Die durchschnittliche Lebenserwartung stieg. In einigen Regionen Europas trug auch die Modernisierung der Landwirtschaft dazu bei: Das Land wurde effizienter bewirtschaftet, neue Futterpflanzen wurden eingeführt, Milchkühe gezüchtet. Und die allmähliche Verbreitung der Kartoffel im späten 18. Jahrhundert sorgte zunehmend für Nahrungssicherheit. Auf das Sterberisiko von Säuglingen und Kindern hatten diese Fortschritte keinen Einfluss. Ihre Sterblichkeit blieb weiterhin hoch.


Sozioökonomischer Fortschritt und aufklärerischer Geist

In der Schweiz stieg die Lebenserwartung im 18. Jahrhundert durch das Aufkommen der Heimarbeit erstmals markant. Dank bezahlter Arbeit konnten sich nun auch Menschen ohne oder mit nur wenig Landbesitz ausreichend ernähren. Gleichzeitig änderte sich die allgemeine Einstellung zu Seuchen und Tod. Während man Schicksalsschläge früher passiv hinnahm, glaubte man jetzt an den Fortschritt und versuchte, Krankheiten aktiv zu bekämpfen. Dennoch erlagen Ende des 19. Jahrhunderts 10% der Bevölkerung der Lungentuberkulose. Im Jahr 1820 lag in der Schweiz die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer bei 40,6 und diejenige der Frauen bei 43,2 Jahren.

Dank gesundheitspolitischen Kampagnen wie der Pockenimpfung und der Durchsetzung von Sauberkeits- und Hygienenormen stieg die Lebenserwartung Anfang 20. Jahrhundert rasant. Im Jahr 1939 wurden Männer in der Schweiz bereits durchschnittlich 62,7 Jahre alt, und die Frauen starben sogar erst mit durchschnittlich 67,0 Jahren.


Weniger Geburten, mehr Alte

In der Schweiz führten die wirtschaftliche Entwicklung und die gesellschaftliche Modernisierung zu einem grundlegenden Wandel: Es gibt weniger Geburten, aber auch weniger Todesfälle. Dadurch wächst der Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung. Die Chance auf ein glückliches, langes Leben ist im 21. Jahrhundert so gross wie nie.

  • Entwicklung der Lebenserwartung: Von 1880 bis 2013 hat sich die Lebenserwartung fast verdoppelt. Frauen leben durchschnittlich 84,5 Jahre (früher: 43,2), Männer 80,1 Jahre (früher: 40,6).
  • Lebenserwartung in Jahren nach Regionen in der Schweiz: Espace Mittelland 83,1. Ostschweiz 83,4. Nordwestschweiz 83,6. Zürich 83,9. Zentralschweiz 84. Genferseeregion 84,2. Tessin 85.
  • Lebenserwartung in Jahren nach Land: Schweiz 83,7. Spanien 83,5. Italien 83,4. Frankreich/Luxemburg/Zypern 82,7. Bulgarien/Lettland/Litauen 74,9.
  • Warum sterben Männer früher als Frauen? Sie leben risikobereiter: Männer verunfallen häufiger, zeigen stärkeres Suchtverhalten und tendieren eher zur Selbsttötung. Sie haben ein dreifaches Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

 

Lebenserwartung berechnen

Sie möchten wissen, welches Alter Sie statistisch erreichen könnten? Machen Sie den Test auf der Website www.gesundheit.ch/test. Sie beantworten anonym Fragen zu Ihrer Person, Ihrem Lifestyle und Ihrer Gesundheit. Aufgrund der Statistik wird Ihr wahrscheinlichstes Todesjahr errechnet. Gleichzeitig erfahren Sie, welche Faktoren Ihr Leben verlängern oder verkürzen könnten. Der Test wurde unter wissenschaftlicher Beratung durch das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich entwickelt.

 

Sterbetafeln: Statistik über die Lebenserwartung in der Schweiz

Die statistischen Zahlen zur Lebenserwartung in der Schweiz reichen bis ins Jahr 1876 zurück. Rund alle zehn Jahre werden Sterbetafeln berechnet. Daraus lassen sich die mittlere Lebenserwartung und die Überlebens- bzw. Sterbewahrscheinlichkeiten für beliebige Altersstufen und Beobachtungszeiten bestimmen. Die aktuellsten Zahlen findet man in den Sterbetafeln 2008/2013.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

BEKB-Immobilientage

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz