Für immer und ewig!

Viele Berufstätige sind unzufrieden. Unzufrieden mit ihrem Job und mit den Aufgaben, die dieser mit sich bringt. Trotzdem harren sie in ihrem Berufsalltag aus. Für Berufungscoach Mathias Morgenthaler ist Arbeit mehr als eine lästige Pflicht zum Gelderwerb. Der Ausbruch aus dem «Gefängnis» ist möglich. Er braucht nur Mut.

Die Weichen für das Berufsleben werden früh gestellt. Eltern wollen für ihr Kind nur das Beste: Sie wünschen sich eine solide Ausbildung, einen sicheren Beruf, einen höheren Abschluss, Karrieremöglichkeiten. Schon in der Grundschule zählen vor allem die Leistungen in den «wichtigen» Fächern. Bei der Berufslaufbahnplanung durch die Eltern treten Neigungen und Talente des Kindes leider allzu oft in den Hintergrund oder werden gänzlich übergangen.

Viele Erwachsene wurden von ihren Eltern – bewusst oder unbewusst – in eine Richtung gelenkt. Sie versuchen ein (Berufs-)Leben lang, sich deren Anerkennung zu erarbeiten, deren Träume zu verwirklichen und Enttäuschungen zu vermeiden. Nur: «Wir leben nicht das Leben unserer Eltern», so der Berufungscoach Mathias Morgenthaler. «Wir leben UNSER Leben!»


Viele Möglichkeiten

Auf alten Grabsteinen steht unter dem Namen oft die Berufsbezeichnung des Verstorbenen. Der Mensch wurde früher über seine Arbeit definiert. Sein Beruf in Stein gemeisselt. «Heute braucht in der Schweiz niemand mehr ein Leben lang nur den einen Beruf auszuüben», so Morgenthaler. «Das Bildungs- und Berufssystem des 21. Jahrhunderts ist sehr durchlässig.» Konkret bedeutet dies: Wer sich auf dem eingeschlagenen Berufsweg nicht wohlfühlt, hat X Möglichkeiten abzubiegen. «Viele bringen leider nicht den Mut auf, etwas loszulassen, das nicht mehr passt», sagt Morgenthaler. «Sie optimieren lieber den Platz im Gefängnis, statt einen Schritt ins Unbekannte zu wagen.»


Ausgebremst?

Was hält unzufriedene Menschen davon ab, sich beruflich zu verändern? Laut Morgenthaler ist das Geld bzw. das Verhältnis zum Geld einer der grössten wichtigsten Bremsfaktoren: «Wer mit seiner Arbeit unzufrieden ist, wartet oft darauf, irgendwann genug vermögend zu sein, um sich sicher oder frei zu fühlen.» Solange der Grad des Selbstvertrauens aber vom Kontostand abhänge, sei der Zeitpunkt für eine Neuorientierung nie günstig. «Wichtiger als Geld zu sparen, ist, sich mit der Unsicherheit anzufreunden.»

Auch die unbewusste Annahme, Arbeit müsse anstrengend sein, steht einer Veränderung oft im Weg. Aber muss man für einen Job wirklich Opfer bringen? Muss man leiden, um für getane Arbeit entschädigt zu werden? Morgenthaler verneint: «Arbeit darf Freude bereiten. Sie darf einem sogar leichtfallen!» Deshalb sei es wichtig, ein Gefühl für die eigenen Talente zu entwickeln, statt sich in fremder Sache aufzuopfern.


Berufung statt Beruf

Es gilt also, den Leidensdruck ebenso ernst zu nehmen wie die eigene Sehnsucht. «Wer herausfindet, wo ihm Dinge leicht gelingen und wo er mit Freude etwas bewirken kann, hat gute Chancen, seine Berufung zu finden», weiss Morgenthaler aus über 1000 Interviews zum Thema. So verlieren Jobprofile und ausgeschriebene Stellen an Bedeutung. Denn je näher jemand seiner Berufung kommt, desto persönlicher wird die Arbeit. «Es geht dann weniger darum, eine neue Stelle zu suchen, sondern darum, eine stimmige Aufgabe für sich zu (er)finden», so Morgenthaler. «Dabei darf man auch Fehler machen. Denn das Leben ist keine lebenslange Prüfung, sondern eine Entdeckungsreise.» Gemäss dem Berufungscoach sollte Arbeit keine lästige Pflicht zum Gelderwerb sein, die man bis zur erlösenden Pensionierung aushalten muss. Arbeit ist für ihn viel mehr: «Sie ist eine Art, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und sie ein klein wenig in die gewünschte Richtung zu verändern.»

Berufswahl: Tipps für Eltern

  • Sehen Sie Ihr Kind mit seinen persönlichen Fähigkeiten und Talenten. Glauben Sie an Ihr Kind!
  • Bedenken Sie: Was heute als «guter Beruf» gilt, gibt es vielleicht in zehn Jahren nicht mehr. Die Berufswelt ist im Umbruch. Die Innovationszyklen werden immer kürzer (Digitalisierung, Automatisierung, Arbeitsteilung, ...).
  • Einen vermeintlich sicheren Job zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig, glücklich zu sein.
  • Projizieren Sie nicht Ihre eigenen Wünsche auf Ihr Kind. Ihr Kind hat das Recht auf eigene Träume!
  • Begleiten Sie Ihr Kind auf seinem Weg, indem Sie sein Vertrauen in verschiedene Wege stärken und ihm bedingungslose Liebe schenken.

Zur Person

Mathias Morgenthaler ist Berufungscoach (www.beruf-berufung.ch), Journalist und Referent. Der 43-jährige Berner lebt und arbeitet in Bern. Er ist Vater einer zwölfjährigen Tochter.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

BEKB-Nachhaltigkeitstage

27.–29. August 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

BEKB-Familientage

1. September 2019, Reconvilier

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

10. September 2019, Centre culturel Le Royal, Tavannes (französisch)
17. September 2019, centre de rencontre du siège BCBE, Bienne (französisch)
14. Oktober 2019, Hotel Restaurant Weisses Kreuz, Lyss 
16. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz 
22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

9. November 2019, Kongresshaus, Biel