Liegt in der Familie

«Wie war dein Tag?» gehört wohl zu einer der meistgestellten Fragen in Familien. Bei einigen aber scheint diese Frage überflüssig: Vier Familienunternehmen aus der Region erzählen, mit welchen Fragen sie sich beschäftigen.

  • Christiane Matti (l.) und ihre Mutter Micheline Matti im Speisesaal des Hotels Arc-en-ciel in Gstaad.
    Christiane Matti (l.) und ihre Mutter Micheline Matti im Speisesaal des Hotels Arc-en-ciel in Gstaad.
  • Ein Bild aus dem Gründungsjahr 1961: Das Hotel Arc-en-ciel wurde damals von Micheline und ihrem Mann Heini geführt.
    Ein Bild aus dem Gründungsjahr 1961: Das Hotel Arc-en-ciel wurde damals von Micheline und ihrem Mann Heini geführt.
  • Im Jahr 1972 wurde das Hotel umgebaut und erweitert. Acht Jahre später stieg die heutige Geschäftsführerin Christiane ins elterliche Hotel ein.
    Im Jahr 1972 wurde das Hotel umgebaut und erweitert. Acht Jahre später stieg die heutige Geschäftsführerin Christiane ins elterliche Hotel ein.

Hotel Arc-en-ciel, Gstaad

Gstaad gehört zu den Vorzeigeskiresorts der Schweiz. Der pittoreske Ort ist die Feriendestination des internationalen Jetsets. Entsprechend hochstehend präsentieren sich auch die Hotels. Eines davon ist das Arc-en-ciel bei der Gondelbahn Eggli – seit 55 Jahren fest in der Hand der Familie Matti. Gegründet wurde es 1961 von Micheline und Heini Matti. Die heute 90-jährige Micheline Matti, Hotelierstochter aus Les Diablerets, begann mit einem kleinen Tearoom und einigen wenigen Zimmern. Heute beschäftigt das Arc-en-ciel rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es hat 29 Zimmer mit insgesamt 58 Betten sowie weitere zehn Zimmer und Appartements im Résidence, einem angrenzenden Gästehaus. 

Nie langweilig

Das Hotel war von Anfang an ein Familienbetrieb. Heini und Micheline Matti wohnten im ersten Stock des Hotels mit ihren drei Kindern Michel, Andreas und Christiane. Vater Matti war fürs Büro zuständig, die Mutter kümmerte sich um die Gäste, war «an der Front», wie sie es ausdrückt. Und die Kinder fanden im Hotelbetrieb einen idealen Spielplatz vor. «Uns wurde es nie langweilig», erinnert sich Tochter Christiane Matti, die heutige Geschäftsführerin. «Wir durften überall mit anpacken.»

«Das ist meine Welt»

Christiane stieg 1980 nach abgeschlossener Handels- und Hotelfachschule ins Hotel ein. Sie war Gouvernante, Rezeptionistin und Betriebsassistentin. Bruder Michel lernte Koch und war ebenfalls in den Betrieb eingebunden. «Es war ein richtiger Familienbetrieb. Wir waren ein tolles Team», sagt sie. 1999 verliess Michel Matti nach einigen Differenzen das Hotel und wechselte ins Tourismusbüro Gstaad, wo er bis zum Vizedirektor aufstieg. Im gleichen Jahr übernahm Christiane Matti die Geschäftsleitung. «Das ist meine Welt. Ich konnte gar nicht anders entscheiden», sagt sie. Für die Mutter war das ein Segen, wie sie betont: «Das war sehr schön, dass Christiane das Hotel und alles, was wir aufgebaut haben, weiterführen wollte.» Christiane wiederum bindet ihrer Mutter ein Kränzchen für die tatkräftige Unterstützung, sei es im Hotelbetrieb oder aber für die Betreuung der beiden Töchter. «Ohne diese Hilfe wäre das alles kaum möglich gewesen», sagt sie. 

Zukunft gesichert

Micheline mit ihren 90 Jahren geniesst seit einigen Jahren den wohlverdienten Ruhestand. Mit Amina Matti, der älteren der beiden Töchter von Christiane, steht aber schon die nächste Generation in den Startlöchern. Sie schliesst in einem Jahr die Hotelfachschule in Luzern ab. Sie habe schon Interesse angemeldet, das Hotel dereinst zu übernehmen, sagt Christiane und lächelt zufrieden.

  • Die erste Generation ganz in Weiss: Adolf Hofer (l.) führte das Geschäft von 1931 bis zu seinem frühen Tod 1942 zusammen mit seiner Frau Margrit (r.).
    Die erste Generation ganz in Weiss: Adolf Hofer (l.) führte das Geschäft von 1931 bis zu seinem frühen Tod 1942 zusammen mit seiner Frau Margrit (r.).
  • Das waren noch Frisuren: die Coiffure Hofer in Biberist Ende der 1970er-Jahre mit Ehefrau Susanne, Mutter Maria, Andreas, Grossmutter Margrit, Vater Walter sowie Angestellten (v.l.n.r.).
    Das waren noch Frisuren: die Coiffure Hofer in Biberist Ende der 1970er-Jahre mit Ehefrau Susanne, Mutter Maria, Andreas, Grossmutter Margrit, Vater Walter sowie Angestellten (v.l.n.r.).
  • Jung geblieben: die Coiffure Hofer 2016 mit Susanne, Andreas, Sohn Benjamin, Schwiegertochter Karin, Maria und Walter Hofer (v.l.n.r., hintere Reihe) sowie den vier Lernenden und einer Angestellten (vorne).
    Jung geblieben: die Coiffure Hofer 2016 mit Susanne, Andreas, Sohn Benjamin, Schwiegertochter Karin, Maria und Walter Hofer (v.l.n.r., hintere Reihe) sowie den vier Lernenden und einer Angestellten (vorne).
  • Coiffeur sein ist viel mehr als nur Haare schneiden: Andreas Hofer an der kleinen Cafébar im Salon, wo er immer wieder mal Kunden empfängt. Die Bilder in der Glasvitrine halten die gemeinsamen Teamevents fest.
    Coiffeur sein ist viel mehr als nur Haare schneiden: Andreas Hofer an der kleinen Cafébar im Salon, wo er immer wieder mal Kunden empfängt. Die Bilder in der Glasvitrine halten die gemeinsamen Teamevents fest.

Coiffure Hofer, Biberist

«Das ist unser Sonntag», sagt Andreas Hofer lächelnd und bittet die Frau am anderen Ende, morgen wieder anzurufen. Montagnachmittag in einem hinteren Zimmer in Biberist. Genauer gesagt in einem ehemaligen Schlafzimmer, das jetzt ein Büro ist. Irgendwann musste die Parterrewohnung dem angegliederten Geschäft weichen, das sich heute auf vier Räume verteilt. Hier arbeiten Andreas Hofer, Ehefrau Susanne und ihre fünf Angestellten – vier davon in Ausbildung – und lesen der Kundschaft sämtliche Frisurenwünsche von den Lippen ab. «Männer können auch ohne Voranmeldung zu uns kommen», bemerkt Hofer. Wenn die Wände sprechen könnten, sie hätten gewiss einige Geschichten auf Lager. Die Coiffure Hofer gibt es bereits seit 1931, gegründet von Andreas Hofers Grosseltern.

Neue Generation

Montag ist Ruhetag. «Wobei die Bezeichnung Ruhetag nicht ganz korrekt ist», ergänzt Susanne Hofer schmunzelnd. Montags werden alle anstehenden Hausarbeiten erledigt, denn von Dienstag bis Samstag ist im Salon Hochbetrieb. 1977 haben Susanne und Andreas Hofer ihre Arbeit im Familienunternehmen aufgenommen, zehn Jahre später übergaben ihnen die Eltern die Geschäftsführung. Übernächstes Jahr steht wieder ein Generationenwechsel an. Sohn Benjamin und Schwiegertochter Karin werden die Nachfolge antreten. Als Geschäftsführerin wird Karin Hofer vor Ort tätig sein, «am Stuhl arbeiten», wie es im Fachjargon heisst. «Ich werde im Hintergrund unterstützen», sagt Benjamin Hofer, der als Lehrer an einer Berufsfachschule tätig ist.

Wahrer Teamgeist

Wie die Übergabe genau ablaufen wird, ist noch offen. Klar ist, dass sie fliessend sein soll. Denn gegenseitige Rücksichtnahme ist der Familie sehr wichtig. «Wir können schliesslich alle voneinander lernen», betont Benjamin Hofer. Bei der letzten Übernahme sei das nicht anders abgelaufen, erinnert sich Vater Andreas. Der Familienzusammenhalt zeigt sich auch ausserhalb der Arbeitszeit, wenn die Hofers aufs Motorrad steigen. «Dann lassen wir uns treiben, ohne festen Plan.» Auf die Frage, wie er sich die Zukunft des Coiffeursalons vorstelle, antwortet Benjamin Hofer: «Wir wollen die Offenheit beibehalten.» Mit anderen Worten Teamgeist und Kundennähe werden weiterhin höchste Priorität haben. Und das auch ohne Voranmeldung.

  • Drei Generationen in einer Firma: Stefan Bichsel, Guido Bichsel und Pasqual Bichsel (v.l.n.r.) in der Grossen Apotheke Dr. G. Bichsel AG in Interlaken.
    Drei Generationen in einer Firma: Stefan Bichsel, Guido Bichsel und Pasqual Bichsel (v.l.n.r.) in der Grossen Apotheke Dr. G. Bichsel AG in Interlaken.
  • Das Familienunternehmen stellt Präparate, wie hier Infusionen, für verschiedenste Institutionen wie etwa Spitäler, Spitex-Organisationen, Alters- und Pflegeheime her.
    Das Familienunternehmen stellt Präparate, wie hier Infusionen, für verschiedenste Institutionen wie etwa Spitäler, Spitex-Organisationen, Alters- und Pflegeheime her.
  • Was 1948 klein anfing, ist heute ein Pharmaunternehmen mit insgesamt 100 Mitarbeitenden und einer grossen Fahrzeugflotte, die Spitäler, Altersheime, Ärzte sowie Patienten beliefert.
    Was 1948 klein anfing, ist heute ein Pharmaunternehmen mit insgesamt 100 Mitarbeitenden und einer grossen Fahrzeugflotte, die Spitäler, Altersheime, Ärzte sowie Patienten beliefert.

Laboratorium Dr. G. Bichsel AG, Interlaken

Pharma- und Chemieunternehmen werden automatisch mit der Stadt Basel in Verbindung gebracht. Doch es gibt Ausnahmen. Im Berner Oberland produziert ein KMU hochqualitative Präparate für Spitäler und Heimpatienten: die Laboratorium Dr. G. Bichsel AG in Interlaken. Eine familiengeführte Pharmaperle, die eine spezielle Nische für sich entdeckt hat. 

Eng verbunden

Begonnen hat alles 1948. Damals übernahm der Apotheker und Mikrobiologe Dr. Guido Bichsel die Grosse Apotheke in Interlaken. 1979 weitete sich das Geschäft auf das Laboratorium aus. Hier werden hochwertige Präparate für Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Spitex-Organisationen, Medizinfirmen, Ärzte und Tierärzte hergestellt. Zudem versorgt die Firma schweizweit Patienten zu Hause im Auftrag von Spitälern, Ärzten und Krankenkassen. Heute sind das Laboratorium und die Apotheke als eigenständige Gesellschaften unter einer Holding vereint. Der 98-jährige Seniorchef Guido Bichsel führt das innovative Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden zusammen mit seinen zwei Söhnen Tobias und Stefan Bichsel. «Das Elternhaus grenzt an die Apotheke», sagt Stefan Bichsel, Qualitätsbeauftragter der Geschäftsleitung, darum seien die Familienmitglieder von Kindesalter an schon sehr eng mit der Firma verbunden.

Zugunsten der Firma

Für Guido Bichsel ist der Umstand, dass zwei seiner drei Söhne die Firma weiterführen, äusserst erfreulich. «Wir haben aufgrund meines Alters verschiedene Varianten geprüft, wie die Firma weiterhin erfolgreich in die Zukunft geführt werde», sagt er. Der Entscheid war nicht einfach. «Für unsere Unternehmung mit den zwei Sparten Labor und Apotheke braucht es jemanden mit entsprechender Erfahrung und Ausbildung.» Tobias und Stefan Bichsel vereinen beides. Der Erfolg der Firma hat insbesondere mit dem feinen Geschäftssinn der Bichsels zu tun. Natürlich sei es schön, als Familie den Betrieb zu führen, betont Stefan Bichsel. Trotzdem: «Es geht nicht um uns. Es gibt nur eine Zielformulierung und die heisst: Entscheide werden zugunsten der Firma gefällt, nicht zugunsten von Personen.»

Die Zukunft als Familienfirma ist intakt. Der Sohn von Stefan Bichsel ist Apotheker und arbeitet im Betrieb mit. Ob er auch bleiben wird, das lassen Grossvater und Vater jedoch offen.

  • Heute die zweite, morgen die dritte Generation: die Brüder Franco, Tino und Sandro sowie Vater Alfred Schmutz (v.l.n.r.) der Schmutz Söhne AG.
    Heute die zweite, morgen die dritte Generation: die Brüder Franco, Tino und Sandro sowie Vater Alfred Schmutz (v.l.n.r.) der Schmutz Söhne AG.
  • Von der Rohrreinigung bis hin zu Kranarbeiten: Was einst als Einmannbetrieb begann, ist heute ein 30-köpfiges KMU mit acht Dienstleistungsbereichen.
    Von der Rohrreinigung bis hin zu Kranarbeiten: Was einst als Einmannbetrieb begann, ist heute ein 30-köpfiges KMU mit acht Dienstleistungsbereichen.
  • Verarbeitet Holz zu Brennholz: Walter Schmutz senior mit seiner fahrbaren Brennholzsäge im Jahr 1948.
    Verarbeitet Holz zu Brennholz: Walter Schmutz senior mit seiner fahrbaren Brennholzsäge im Jahr 1948.
  • 1951 ist das Gründungsjahr der heutigen Schmutz Söhne AG: Walter Schmutz senior stieg mit diesem Lastwagen damals ins Transportgeschäft ein.
    1951 ist das Gründungsjahr der heutigen Schmutz Söhne AG: Walter Schmutz senior stieg mit diesem Lastwagen damals ins Transportgeschäft ein.

Schmutz Söhne AG, Thun

Der Spruch «Nomen est omen» ist verlockend, aber man kann es sich denken, wie oft die Familie Schmutz ihn schon gehört hat, denn die Reinigung ist eine ihrer wichtigsten Dienstleistungen: Neben Rohren und Kanälen säubert das Unternehmen aus Thun auch Strassen, Hausfassaden und vieles mehr. Angefangen hat trotzdem alles ganz anders, damals 1948, als Walter Schmutz senior mit seiner fahrbaren Säge zu den Bauernhöfen fuhr, um dort das Holz zu Brennholz zu sägen, und so der allgegenwärtigen Arbeitslosigkeit trotzte.

Seit 65 Jahren dabei

«Unsere Zeitrechnung beginnt erst 1951», erzählt Alfred Schmutz, Sohn von Walter Schmutz senior. Denn mit der Anschaffung eines Lastwagens gründete Walter Schmutz senior seine eigene Firma und erweiterte sein Tätigkeitsfeld mit Möbel- und Warentransport. Heute bietet die Schmutz Söhne AG auch Firmenumzüge an, bei denen sogar Kräne zum Zug kommen. «Vom Büroordner bis zur Produktionsmaschine kümmern wir uns um alles», bemerkt Sandro Schmutz, Bereichsleiter Kran und Transport und ältester Sohn von Alfred Schmutz. Zusammen mit seinen Brüdern Tino und Franco wird er ab 2017 das Unternehmen in der dritten Generation weiterführen.

«Die perfekte Kombination»

Unter Alfred Schmutz hat sich einiges getan: Das Familienunternehmen – anfänglich mit Bruder Walter gemeinsam geführt – hat sich seit der Übernahme 2005 von Alfred zu einem rund 30-köpfigen KMU entwickelt mit insgesamt acht Dienstleistungsbereichen. «Es freut mich sehr, das Lebenswerk unseres Vaters weiterführen zu können», sagt Tino Schmutz, der Mittlere der drei Brüder und Bereichsleiter Kanalunterhalt. Während die beiden Älteren vom Handwerk kommen, studiert der Jüngste, Franco Schmutz, berufsbegleitend an der Berner Fachhochschule Betriebswirtschaft und hat heute die kaufmännische Leitung inne. «Die perfekte Kombination», betont Vater Alfred. Bald ist es für die Brüder so weit, wenn sich Alfred Schmutz ganz aus dem Geschäft zurückzieht. «Wir sind verschiedene Charaktere», erzählt Sandro Schmutz schmunzelnd, «da können die Diskussionen auch mal hitzig werden.» Die Diskussionen fänden aber nicht nur im Büro statt, ergänzt der Vater stolz: «Als angefressene Modellflieger verbringen die drei auch noch einen Teil ihrer Freizeit zusammen.»

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

Immobilien-Herbstmesse

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz