Glück kennt keine Verpackung

Mit mehr Besitz und mehr Konsum wollen manche zu mehr Glück finden. Und stossen dabei vor allem auf mehr Abfall. Kann weniger davon den Genuss gar steigern? Christine Remund weist mit dem ungewöhnlichsten Laden Biels einen Ausweg.

Es ist, was manche zum Verzweifeln bringt. Ziehen, quetschen, reissen, schnell ein Fluchwort in den Himmel stossen. Und am Ende sind die Finger wund und der Abfallkübel rappelvoll. Auf die grosse Einkaufslust folgt oft der nicht mindere Verpackungsfrust. «Das Problem kenne ich fast nur noch vom Hörensagen», sagt Christine Remund schmunzelnd. Die Geschäftsführerin steht in ihrem Laden La Portion Magique in der Bieler Altstadt und weist durch das Sortiment. Magisch scheint hier einiges zu sein, denn Plastik und Verpackung haben sich offenbar in Luft aufgelöst. Teigwaren lagern in langen Röhren, Salatkräuter in grossen Gläsern, silberne Kessel speichern Putzmittel, das Zahnpastapulver gibt es im wiederauffüllbaren Gläsli. «Bei mir findet man wie im Dorfladen die wichtigsten Produkte», so die Initiatorin, «einfach alle unverpackt.»

  • Mit 759 Kilogramm pro Kopf ist 2014 in Dänemark am meisten Abfall angefallen. Die Schweiz folgt dicht dahinter auf dem zweiten Platz. Mit nur rund 250 Kilogramm pro Person hat Rumänien den geringsten Abfallberg von allen europäischen Ländern.

Schweizer sind Abfallvizemeister

Das etwas andere Lädeli führt Christine Remund seit rund einem Jahr. Dass sie ihr Berufsleben neu ausrichten will, darüber hat sie schon länger nachgedacht. «Nachhaltig und ökologisch zu leben, ist mir wichtig, ich wollte darum etwas machen, das diesen Werten entspricht.» Etwas, das sie in ihrem früheren Job als Projektleiterin bei einer Versicherung nicht mehr gefunden hat. Ausserdem sind es die Zahlen, die sie zum Handeln bewegen: 730 Kilogramm Abfall fallen in der Schweiz pro Kopf jährlich an, wie das Bundesamt für Umwelt errechnet hat. Damit sind die Schweizer der Abfallvizemeister in Europa. «Zwar rezyklieren wir vergleichsweise viele dieser Abfälle», so Christine Remund, «aber besser ist es, den Müll gar nicht erst zu produzieren.»

Wer bei Christine Remund einkauft, bringt seinen eigenen Korb, Sack oder Behälter mit. Der Preis für die abgefüllten Waren berechnet sich nach dem Gewicht. Mit diesem Konzept ist die Bieler Unternehmerin nicht allein. Zero Waste, so die Bewegung, zu der sie sich zählt, stösst auf immer mehr Interesse. Als Begründerin gilt die Frankoamerikanerin Bea Johnson, die ihr Engagement seit zehn Jahren aus ihrer Heimat in die Welt trägt. 14 sogenannte Unverpackt-Läden zählt die Schweiz heute, anzutreffen vor allem in der Romandie. Bis im Spätsommer sollen weitere 13 eigenständige Läden eröffnen, konzentriert eher in der Deutschschweiz. Vor allem junge Familien mit Kindern entdeckten die Variante zum herkömmlichen Konsum derzeit, wie Christine Remund weiss. Sich Gedanken über seinen Lebensstil zu machen, sei für viele dann interessant, wenn Kinder in ihre Welt treten würden. Gerade die Kleinsten seien oft ihre begeistertsten Kunden: «Welches Kind träumt nicht davon, sich selbst Teigwaren abzuschöpfen? Viele hören auch dann nicht auf, wenn die Eltern schon lange Stopp rufen.»

  • Unverpackt, aber voll mit Inhalt: Auf 40 Quadratmetern finden Kunden im Bieler Zero-Waste-Laden Güter des täglichen Bedarfs.
  • Unverpackt, aber voll mit Inhalt: Auf 40 Quadratmetern finden Kunden im Bieler Zero-Waste-Laden Güter des täglichen Bedarfs.
  • Unverpackt, aber voll mit Inhalt: Auf 40 Quadratmetern finden Kunden im Bieler Zero-Waste-Laden Güter des täglichen Bedarfs.
  • Unverpackt, aber voll mit Inhalt: Auf 40 Quadratmetern finden Kunden im Bieler Zero-Waste-Laden Güter des täglichen Bedarfs.
  • Unverpackt, aber voll mit Inhalt: Auf 40 Quadratmetern finden Kunden im Bieler Zero-Waste-Laden Güter des täglichen Bedarfs.

Der bewusste Umgang mit den Ressourcen macht bei Christine Remund auch nach Ladenschluss nicht Feierabend. Längst gehört Zero Waste zum festen Alltag. Ein Prinzip, das sie nicht stur verfolgt, sondern mit Freude und Lust verbindet. «Irgendwo ist es sicher auch ein Spiel. Wo könnte ich noch Abfall einsparen? Welche neuen Tricks kann ich anwenden?» Solche kleine, aber effektive Alltagstricks befolgt sie zahlreiche. Die Gemüse-rüstabfälle landen nicht im Kompost, sondern püriert in der hausgemachten Suppe. Die Kartoffelschalen verwandeln sich mit etwas Öl zu knackigen Chips. Und das Haushaltpapier macht ganz einfach einem waschbaren Tuch Platz.

Es sind diese kleinen Umstellungen, die für Christine Remund das grosse Ganze ausmachen. «Ich leiste einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und kann gleichzeitig nach meinen Werten leben. Das bedeutet für mich Glück.» Den neusten Trends hinterherlaufen, mit übervollen Tüten aus dem Supermarkt heimkommen – das ist nicht, was die Bielerin zu einem guten Leben zählt. Das Gefühl, auf etwas zu verzichten, kennt sie trotzdem nicht: «Wenn es so wäre, würde ich wohl schnell wieder damit aufhören.» Zero Waste wolle nicht jeden Konsum ablehnen, ihn aber anders angehen. Und sowieso, wer seinen Abfall reduziert, dem bieten sich ganz praktische Vorteile – Christine Remund lacht, wenn sie sagt: «Etwas vom Besten ist, dass ich jetzt weniger oft den Müllsack rausbringen muss.»

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

Immobilien-Herbstmesse

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz