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Bezwinger der Lüfte

Über den Wolken und hinter dem Horizont: Der Bieler Wingsuit-Pilot Remo Läng geht mit seinen Aktionen an die Grenze. So sehen es zumindest die anderen – denn für ihn ist das Extreme die Konstante.

Wenn er kann, dann macht er es. Kurz nach dem 16. Geburtstag steht er das erste Mal vor der offenen Flugzeugtür und springt. Weil das Gesetz das Fallschirmspringen erst ab diesem Alter erlaubt. Heute, rund 25 Jahre später, hat Remo Läng Mühe, darin etwas Besonderes zu sehen: «Das Fliegen hat immer zu meinem Leben gehört. Es ist einfach normal.» Der stämmige Bieler mit der ruhigen Stimme ist ein Extremsportler, der keiner sein will. Dabei macht er alles, was dem durchschnittlichen Hobbysportler nicht im Traum einfallen würde. Er springt ohne Sauerstoff in 8000 Metern Höhe aus einem Heissluftballon. Oder er fliegt als erster Mensch mit dem Wingsuit über die Alpen.

Fasziniert seit Kindertagen

Die Erklärung dafür, warum er trotzdem findet, nichts Extremes geleistet zu haben, liegt in seiner Entwicklung. «Ich bin ja nicht eines Tages vom Einkaufen heimgekommen und habe gesagt: So, heute mache ich einen Rekordsprung. Das hat sich alles über viele Jahre entwickelt.» Schuld an der Entfaltung zum kühnen Sportler hat seine Grossmutter. Gelebt hat sie in Lauterbrunnen, dem heutigen Mekka der Basejumper. Deren waghalsige Technik hatte noch niemand erfunden, als der Seeländer im Schulalter sein Grosi besucht hat – entdeckt hat er etwas anderes: die Gleitschirmflieger. Der Anblick der majestätischen Segler der Lüfte hat Remo Läng nicht mehr losgelassen. «Mir war sofort klar, dass ich es ihnen gleichtun wollte.»

  • Der Extremsportler Remo Läng liebt die Extreme, die sich für ihn heute fast wie ein gewöhnlicher Teil des Alltags anfühlen.

  • Der Extremsportler Remo Läng liebt die Extreme, die sich für ihn heute fast wie ein gewöhnlicher Teil des Alltags anfühlen.

  • Der Extremsportler Remo Läng liebt die Extreme, die sich für ihn heute fast wie ein gewöhnlicher Teil des Alltags anfühlen.

Das Fallschirmbrevet war später die logische Konsequenz. Mitte der Neunzigerjahre folgte der neuste Hype für Adrenalinhungrige: das Aufkommen der Wingsuits, jener flügelartigen Fluggeräte. Für Remo Läng im Rückblick eine wilde Zeit: «Die ersten Wingsuits haben wir mit Mutters Nähmaschine selber gebastelt, angenähte Tauchflossen mussten als Flügel herhalten.»

Mit der Erfahrung steigt auch der Hunger nach ungewöhnlichen Herausforderungen. 2012 wagt der gebürtige Nidauer als Pionier die Alpenüberquerung mit dem Wingsuit. Zwei Jahre später folgt seine bis dato wohl spektakulärste Aktion: der Sprung mit dem Wingsuit aus einem Ballon in über 8000 Metern Höhe, ganz ohne Sauerstoff. Etwas, was vor ihm noch niemand geschafft hat. Ein «grandioses Erlebnis», wie er sagt – auch, weil er hier alle Disziplinen vereint, die seinen Werdegang ausmachen. Der Sprung im Wingsuit, das Ballonfliegen und das Apnoetauchen, hier charakterisiert durch das Luftanhalten beim Fliegen. Eine Aktion, die Remo Läng rund zwei Jahre an Vorbereitung gekostet hat, inklusive zahlreicher Testflüge aus niedrigerer Höhe. Eine Garantie auf Gelingen gibt es dennoch nie, im Gegenteil. «Vor dem Absprung kam der Gänsehautmoment, weil sich Wasser im Flügelanzug festgesetzt hatte und gefroren war.» Ein unvorhergesehener Zwischenfall, der glimpflich ausgegangen ist – und der doch die Frage stellt: Überschreitet Remo Läng mit Challenges wie dieser eine Grenze?

Remo Läng springt aus 8000 Metern Höhe aus dem Ballon – und landet später sicher in Aarberg.

Kurz legt der Bieler seine Stirn in Falten und sagt dann umso bestimmter: «Wenn wir darüber sprechen, ob ich Grenzen überschreite, dann liegt das in erster Linie im Empfinden der anderen.» Er selber lege sich nicht im Vornhinein Grenzen auf. Er überlege nicht, ob er wohl diese Höhe noch knapp erreichen möge oder diese Flugdauer. «Entscheidend sind für mich immer die konkrete Idee und die Einschätzung, ob das Risiko dafür kalkulierbar ist.» Er sieht sich weit entfernt von einem besinnungslosen Adrenalinjäger, der nur auf den Kick aus sei. Darum hege er auch keine Sympathien für die Riege der Basejumper, deren Ziel es sei, möglichst haarscharf an Felskanten vorbeizupreschen, «denn hier geht es nur um den Kick, nicht um die Freude am Erlebnis».

In der Retrospektive findet sich dennoch manches, was den Luftsportler heute nachdenklich stimmt. «Wenn ich einmal Grenzen überschritten habe, dann war es sicher in der Zeit als Jugendlicher.» Dann, wenn alles machbar scheint und Konsequenzen keine Rolle spielen, schrammt auch ein Remo Läng nur mit Glück am Unglück vorbei. Er erinnert sich an einen Fallschirmflug über dem Schilthorn. Gesprungen ist er mitten im Föhnsturm, «als Fallschirmspringer fast eine Todsünde». Mit Mühe wendet er den Absturz in eine Glasfront ab – und kann nicht verhindern, dass ihn eine Böe vor der Landung wieder unkontrolliert in die Höhe reisst.


Pläne für 24-Stunden-Flug

Das Risiko schwingt immer mit. Dennoch hat Remo Läng, Inhaber eines Tauchsportgeschäftes im Hauptberuf, auch sein Umfeld für die Leidenschaft des Fliegens begeistert. Der Bruder sprang mit ihm schon in den Kindertagen, die Mutter hat das Gleitschirmbrevet mit knapp 60 Jahren nachgeholt. Gemeinsame Plauschstunden in der Luft – die gibt es immer wieder, die grossen Aktionen behält sich der Bieler derweil für sich selber vor.

Der 42-Jährige, Top-Ten-Platzierter im Wingsuit-Weltcup, will im Sommer zur zweiten WM-Austragung in Tschechien antreten. Zugleich bereitet er sich auf eine neue Extremerfahrung vor: In der Wildnis Skandinaviens will er einen Rekord im Dauerfliegen aufstellen – mit möglichst vielen Wingsuit-Flügen über 24 Stunden. Erhebliche Action für einen, der so gar kein Extremsportler sein will. Vielleicht meint Remo Läng mit der Absage ans Radikale bloss seine anderen Hobbys: «Modellflugzeuge basteln und Minigolf spielen – das finde ich fast genauso grossartig.»

Agenda

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

18. September 2018, Biel (Französisch)
9. Oktober 2018, Biel
15. Oktober 2018, Lyss
25. Oktober 2018, Oberbuchsiten
29. Oktober 2018, Solothurn
13. November 2018, Interlaken

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

11. November 2018, Kongresshaus, Biel
11. November 2018, Salle des Fêtes, Reconvilier