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Grenzen für ein freies Klima

Während das Klima sich weiter erwärmt, suchen Politik und Wissenschaft nach neuen Lösungen. Eine, die oft am Anfang steht, ist das Setzen von Grenzwerten. Der Berner Klimaforscher Thomas Stocker über Sinn und Wirkung dieser Grenzen.

Grenzen sollen frei machen. Was auf den ersten Blick scheint wie ein Widerspruch, ist gerade unter Klimaforschern keiner. Grenzen für Emissionen etwa – sie sollen dafür sorgen, dass das Leben trotz Klimawandel lebenswert bleibt. Einer, der darüber forscht und Modelle entwickelt, ist der Berner Klimaphysiker Thomas Stocker, seit 25 Jahren Professor am Physikalischen Institut der Universität Bern.

Mithilfe welcher Grenzwerte kann der Mensch den Klimawandel eindämmen? Erfahren Sie mehr über drei aktuelle Beispiele, ausgeführt von Thomas Stocker. Am ersten darunter, der 2-Grad-Grenze für die Erderwärmung, hat der Berner Forscher massgeblichen Anteil. Bis 2015 leitete er eine 250-köpfige Arbeitsgruppe des Weltklimarates, deren wissenschaftliche Grundlagen in die Pariser Klimakonferenz von 2015 eingeflossen sind.


Thomas Stocker:
Das ist das Ziel, auf das sich die 195 Mitgliedstaaten an der Pariser Klimakonferenz 2015 geeinigt haben. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter soll sich die Erde um maximal 2 Grad erwärmen. Das ist das Resultat eines langen politischen Prozesses – und keine harte Grenze, die wir wissenschaftlich exakt verteidigen können. Es ist aber eine sinnvolle Grenze, um den fortlaufenden Klimawandel so einzugrenzen, dass sich der Mensch noch daran anpassen kann. Die Zeit spielt jedoch nicht für uns. Zwischen 2035 und 2040 wird unser Kohlenstoffbudget – die Menge an Kohlenstoff, die wir zur Erreichung des Ziels maximal ausstossen dürfen – vollständig aufgebraucht sein. Das Pariser Abkommen enthält im Übrigen noch die ambitioniertere Grenze von 1,5 Grad, auf die vor allem die Inselstaaten gepocht haben. Das dürfte die erste Grenze sein, die wir schon bald nicht mehr erreichen können.

Auch das 2-Grad-Ziel ist herausfordernd, aber wir haben eine Chance, wenn wir an drei Punkten ansetzen. Wir müssen unsere technologische Infrastruktur erneuern, die Art und Weise der Energiegewinnung neu gestalten und unseren Lebensstil anpassen. Das lässt sich auch so formulieren: Wir haben dann eine Chance, wenn wir es schaffen, unser Leben und Arbeiten auf Nachhaltigkeit auszurichten. In einigen Aspekten sind wir auf dem richtigen Weg, etwa bei der Entwicklung neuer Technologien. Und doch muss sich diese noch beschleunigen. Ein wichtiger Ansatz wäre es, künftig nur noch jene Produkte zuzulassen, die punkto fossilen Energieverbrauchs die beste Bilanz aufweisen.


Thomas Stocker: Die Schweiz hat eine verhältnismässig strenge Luftreinhalteverordnung, die auf die 1980er-Jahre zurückgeht. Davon profitieren wir bis heute. Unsere Luftqualität ist gut, für zahlreiche Schadstoffe existieren Grenzwerte. Diese basieren letztlich auf einem politischen Kompromiss, der sich auf wissenschaftliche Grundlagen stützt. Das hat den Vorteil, dass ein Grenzwert nie in Stein gemeisselt ist, er kann sich also verändern. Passiert ist das etwa beim Grenzwert für radioaktive Belastung, der mit der Zeit nach unten korrigiert wurde. Sorgenkinder gibt es trotzdem, etwa das Kohlenstoffdioxid CO2. Hier kennen wir keinen Grenzwert. Die Belastung hat seit Messbeginn Ende der 1950er-Jahre sogar um rund 40 Prozent zugenommen.

Obwohl es nicht direkt erwähnt ist, steht das Treibhausgas CO2 jedoch im Fokus des Pariser Klimaabkommens: Das 2-Grad-Ziel können wir nur erreichen, wenn wir auch die CO2-Konzentration stabilisieren und die Emissionen drastisch senken. Mit welchen Massnahmen die Schweiz ihren Beitrag leisten will, ist momentan Teil der Verhandlungen im Parlament. Klar ist aber auch, dass die Definition von Grenzwerten vor allem dann Sinn macht, wenn die Überschreitung mit spürbaren Sanktionen verbunden ist. So, wie wir es in anderen Bereichen des Lebens kennen: Wer auf der Strasse das Tempolimit überschreitet, muss mit einer Busse rechnen. Dass in Bezug auf CO2-Emissionsgrenzwerte Ähnliches passiert, davon sind wir im politischen Prozess noch weit entfernt.


Thomas Stocker: Dieselverbote sind ein Thema, das derzeit vor allem deutsche Städte beschäftigt. Hier setzt die Politik Grenzen, ausserhalb derer das Fahren mit einem Dieselauto verboten ist. Solche lokalen Grenzen sind sicher sinnvoll, wenn gesundheitliche Gründe dafür sprechen. Ähnliche Verbote sind uns ja nicht unbekannt. Etwa, wenn Städte bei hoher Ozonbelastung im Sommer verfügen, dass nur Autos mit gerader oder mit ungerader Nummer fahren dürfen. Wichtiger ist es aber, das Problem an seiner Wurzel anzugehen. Wir müssen zu einer ehrlichen und transparenten Art des Wirtschaftens finden. Statt Tricksereien der Hersteller brauchen Konsumenten ehrliche Information über die Produkte, für die sie sich interessieren.

Vom eigentlichen Langfristziel lenkt ein Dieselverbot jedoch ab: der Ablösung des Verbrennungsmotors durch neue Technologien. Dazu gehört auch, die Motorfahrzeugsteuern so umzugestalten, dass die Anreize steigen, auf ein elektrobetriebenes Fahrzeug umzusteigen. Das wiederum ist nur sinnvoll, wenn wir zugleich die Energiegewinnung neu organisieren, etwa durch die Abkehr von der Stromproduktion durch Kohlekraft.

Einblicke mit Thomas Stocker

Wie handeln wir ethisch korrekt? Mehr über Erfahrungen und Ansätze von Praktikern erfahren Interessierte am 2. Forum Fokus Ethik vom 30./31. August 2018 in Thun. Zum Anlass, den der BEKB Förderfonds als Partner unterstützt, gehört auch ein Modul rund um Fragen zur Umwelt und zu damit verbundenen Herausforderungen. Anlässlich dessen spricht der Berner Klimaphysiker Thomas Stocker zum Thema «Klimaschutz: Bürde oder Chance?». Gewinnen Sie hier einen von drei Tageseintritten für den 30. August, der Vorträge, Podiumsdiskussionen und Lunch umfasst.

Agenda

Theater Gurten «ABEFAHRE! STRESSFREI IN 5 TAGEN»

20. Juni bis 30. August 2018, Gurten, Bern

Der BEKB Förderfonds unterstützt das Theater und offeriert allen BEKB-Kundinnen und -Kunden einen Rabatt von 5 Franken auf den regulären Ticketpreis.

Tickets unter: www.theatergurten.ch

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BEKB-Familientage

17. Juni 2018, Solothurn
11. August 2018, Utzenstorf
2. September 2018, Reconvilier

Wake up and run

24. August 2018, Solothurn
14. September 2018, Bern

Der BEKB Förderfonds unterstützt die Laufanlässe von Wake up and run und offeriert allen BEKB-Kundinnen und -Kunden einen Rabatt von 10 Franken (Promo-Code BEKBFIT2018).

Anmeldung unter: wake-up-and-run.ch

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BEKB-Pensionsplanungsanlässe

28. August 2018, Konolfingen
6. September 2018, Thun
12. September 2018, Tavannes (Französisch)
18. September 2018, Biel (Französisch)
9. Oktober 2018, Biel
15. Oktober 2018, Lyss
25. Oktober 2018, Oberbuchsiten
29. Oktober 2018, Solothurn
13. November 2018, Interlaken

Forum Fokus Ethik

30./31. August 2018, Thun
Die BEKB offeriert als flash-Wettbewerbspreis drei Tageseintritte.

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

11. November 2018, Kongresshaus, Biel
11. November 2018, Salle des Fêtes, Reconvilier