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Steinig schön

Nicht immer schirmen Grenzen ab, manchmal laden sie sogar ein – etwa auf eine Wanderung zwischen Bern und Solothurn. Die Journalistin Barbara Zesiger beschreibt, wie sie mit ihrer Familie auf Grenzwanderung geht.

Wandern mit Kleinkindern – bis vor Kurzem haben wir als Eltern allein beim Gedanken daran die Augen verdreht. Kindliche Wutausbrüche am Berg. Müde Tragearme. Die Wanderlaune hielt sich bei Mami und Papi bisher in Grenzen. Und wir haben zwei richtige Energiebündel zu Hause; nur gezielt bündeln lässt sich diese Energie eben nicht.

Doch irgendwann ist immer das erste Mal. Wir wollen unseren Kindern schliesslich die Welt zeigen. Dazu müssen wir Grenzen überschreiten. Dieses Wochenende sind es nur unsere eigenen elterlichen Ängste vor tobendem Nachwuchs, denn das Schöne liegt nah: im Jura.

Noah (5) und Ronja (4) haben keine Ahnung, was eine «Wanderung» ist. Und doch springen sie freudig auf und ab, als wir ihnen das erste Mal von unseren Wochenendplänen erzählen. Die Kinder freuen sich. Ihre Augen strahlen. Und wir haben Glück: Am Tag unserer ersten richtigen Familienwanderung strahlt die Sonne ebenso.


Schnellstart

Wir starten unsere Tour beim Parkplatz bei der Postauto-Haltestelle Wäsmeli (Grenchenberg). Grosi Irmgard und Mipapi Hans sind schon da. Als wir die Kinder aus ihren Autositzen befreit haben, rennen sie sofort los. Über die Wiese, hoch zur mächtigen Buche auf dem Hügel direkt oberhalb des Stellplatzes. Falsche Richtung! Zum Glück fängt das Grosi die beiden Energiebündel schnell wieder ein. Ausser Atem kehren die drei zum Treffpunkt zurück. Das kann ja heiter werden…

Zu Hause haben wir eine Wanderkarte ausgedruckt. Die Route zum Romontberg führt vorne rechts durch den Wald. Zum Glück, denn diesen Weg hat Noah längst eingeschlagen. Ronja rennt ihrem grossen Bruder vertrauensvoll hinterher. Wir verlängern unsere Schritte, um mitzuhalten.


Steinig und schön

Fünf Minuten später… Ronja weint. Die Kinder konnten den Wurzeln am Wegrand nicht widerstehen und sind die Böschung hinaufgeklettert. Ein kleiner Stein hat sich gelöst und Ronjas Hand gestreift. Die Welt geht unter. Tränchen kullern über die sonnengecremten Kinderbäckchen. Mamis aufmunterndes «Das isch nid eso schlimm» nützt nichts. Grosis «Täfeli» schon. Krise bewältigt. Und weiter gehts!

Wir staunen, mit welchem Tempo unser Grosser den «Stutz» durch den Wald bewältigt. Er zieht mit Mipapi und Papi voraus. Ronja trödelt: Immer wieder hebt sie «Geschenke» fürs Grosi auf. «Lueg, du hesch doch so gärn Flächte…» – Grosi hat bereits beide Hände und die Hosentaschen voll. Begeistert hüpft unsere Kleine von Stein zu Stein. Von denen hat es hier «mega schöni» und vor allem «mega viu», findet sie. Ja, so ist der Jura: steinig und schön. Wir kommen vorwärts.

  • Der sanft steigende Wanderweg durch den Jurawald hoch auf den Romontberg ist auch mit kleineren Kindern zu bewältigen.

  • Der sanft steigende Wanderweg durch den Jurawald hoch auf den Romontberg ist auch mit kleineren Kindern zu bewältigen.

  • Der sanft steigende Wanderweg durch den Jurawald hoch auf den Romontberg ist auch mit kleineren Kindern zu bewältigen.

Mutige Grenzgänger

Die Männer haben etwas am Wegrand entdeckt: Ein historischer Grenzstein und eine alte Trockenmauer markieren hier den Übergang von Bern nach Solothurn. Die Bedeutung des Mals, das 1829 vom Bistum Basel gesetzt wurde, ist den Kindern «Hans was Heiri». Sie finden den Stein «eifach schön». Sie streicheln den Bären auf dem Berner Wappen und klettern mutig auf Solothurner Seite hinauf, um ebenso mutig auf Berner Boden wieder herunterzuspringen.

Wir lassen den Wald hinter uns. Vor uns öffnet sich eine saftige Weide. «Vorsicht, Kuhkacke!», warnt Noah freudig und rennt schon wieder los. Die weite Fläche macht Lust auf Bewegung. Und die alten Wettertannen, deren ausladende Äste bis zum Boden reichen, laden zum Klettern ein. Immer wieder passieren wir Feuerstellen aus weissem Kalkstein. Die Kinder sind noch fit. Das wollen wir nutzen. Wir gehen weiter…

Ein Höhepunkt erwartet uns mitten auf der Hochebene: Hier führt der Weg über eine Pferdekoppel. Die sanften Haflinger Stuten interessieren sich nicht für uns. Ihre frechen Fohlen schon. Neugierig schliessen sie Freundschaft mit unseren Kids.

  • Auf der Hochebene gibt es viel zu entdecken: Historische Grenzsteine und alte Wettertannen laden zum Klettern ein. Freche Fohlen sorgen für gute Stimmung.

  • Auf der Hochebene gibt es viel zu entdecken: Historische Grenzsteine und alte Wettertannen laden zum Klettern ein. Freche Fohlen sorgen für gute Stimmung.

  • Auf der Hochebene gibt es viel zu entdecken: Historische Grenzsteine und alte Wettertannen laden zum Klettern ein. Freche Fohlen sorgen für gute Stimmung.

Fertig lustig

Das Restaurant auf dem Romontberg lassen wir trotz leise knurrenden Kindermägen links liegen und machen uns an den Abstieg in Richtung Unterer Bürenberg. Unten im Tal schlägt der Hunger aufs Gemüt. Ronja will nicht mehr. Papi muss sie tragen. Und auch Noah hat nach über drei Stunden wandern langsam, aber sicher genug. Wir suchen uns einen Brätliplatz und machen Pause.

Cervelat und Co. zeigen nicht die gewünschte Wirkung: Die Motivation kehrt nicht mehr zurück. Unsere Grenze ist erreicht. Mit nörgelnden Kleinkindern – abwechslungsweise an der Hand oder auf den Schultern – nehmen wir die Abkürzung über die befestigte Bergstrasse in Richtung Wäsmeli. Den zweiten Teil der Rundwanderung hinauf auf den Montoz sparen wir uns. Wir kehren in ein paar Jahren mit nörgelnden Teenies zurück.

  • Endlich Pause! Mit knurrendem Kindermagen wandert es sich schlecht.

  • Endlich Pause! Mit knurrendem Kindermagen wandert es sich schlecht.

Agenda

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

9. Oktober 2018, Biel
15. Oktober 2018, Lyss
25. Oktober 2018, Oberbuchsiten
29. Oktober 2018, Solothurn
13. November 2018, Interlaken

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

11. November 2018, Kongresshaus, Biel
11. November 2018, Salle des Fêtes, Reconvilier