Spiel der echten Gefühle

Gespielte echte Gefühle – ein Widerspruch in sich oder tatsächlich möglich? Der Berner Schauspieler Peter Rohrer ist überzeugt, dass die Emotionen auf der Bühne in diesem Moment real sein können.

Wer vor der Kamera bittere Tränen weint, muss diese von irgendwo herholen. Aus dem tiefsten Innern? Vom Schneiden einer Zwiebel? Sind es vielleicht sogar Lachtränen? Was fühlen Protagonisten wirklich, wenn sie vorgeben zu fühlen? Wie echt – und wie spontan – sind diese Emotionen?
 

Im Hirn gefühlt

Anton Rey, Regisseur und Theaterwissenschaftler, und Thomas Grunwald, Forscher am Schweizerischen Epilepsiezentrum, haben eine interessante Entdeckung gemacht. Die beiden haben untersucht, ob Emotionen, die Schauspielerinnen und Schauspieler darstellen, dieselben Hirnaktivitäten auslösen wie «echte» Gefühle. Das tun sie, wie die Untersuchung im MRI zeigt. Offenbar gelingt es Bühnenkünstlerinnen und -künstlern, beim Schauspiel die emotionalen Zentren zu aktivieren. Das bestätigt auch Schauspieler und Coach Peter Rohrer: «Ein guter Schauspieler spielt die Gefühle nicht, er fühlt sie in diesem Moment. Die Situation, die Umstände sind künstlich herbeigeholt, nicht aber die Emotion.» Der Berner steht seit seiner Kindheit immer wieder auf der Bühne sowie vor der Kamera und weiss, wovon er spricht.
 

  • Alles nur gespielt?

Heiss oder kalt?

Peter Rohrer spielt im Kindergarten den Part des Hirten im Krippenspiel. Eine passive und unscheinbare Rolle. Der Junge sieht sich nicht gefordert. Ein paar Jahre später, in der zweiten Klasse, spielt er endlich den Josef – und ist zufrieden. «Ich war schon immer der expressive Typ. Die Möglichkeit, aufzustehen, vor Leute zu treten und etwas auszudrücken, fasziniert mich.» Aber woher nimmt Rohrer die Emotionen, wenn er auf der Bühne steht, vom Scheinwerferlicht beleuchtet, einige Dutzend bis Hundert Paar Augen gespannt auf sich gerichtet? «Du horchst tief in dich hinein, suchst nach Erfahrungen aus deinem Leben, die der gefragten Situation ähnlich sind. Und fühlst dich in diese Situation zurück.» Diese sogenannte «heisse» Methode ist ein Ansatz aus der Theaterwissenschaft. Die Schauspielenden nehmen die Gefühle von innen, aus ihrer persönlichen Erinnerung, dem emotionalen Gedächtnis. «Die gespielten Emotionen beruhen auf realen Erlebnissen und sind daher echt. Irgendwann hat jeder Schauspielende ein solides Repertoire für alle möglichen Gefühle beisammen.» Einfacher darstellen lassen sich dabei expressive Gefühle wie Freude oder Ärger, «anspruchsvoller sind feinere Emotionen wie Trauer und Liebe».
 

  • Sind diese Tränen echt?

«Es macht mir Spass, in unterschiedliche, hypothetische Charaktere zu schlüpfen.»

Peter Rohrer


Beim zweiten Ansatz, der sogenannten «kalten» Methode, entstehen Gefühle durch die fiktive Situation. Rohrer: «Für diese Herangehensweise musst du dich intensiv mit dem Charakter und der Vorgeschichte deiner Rolle beschäftigen. Auf der Bühne bist du diese Figur, verschmilzt mit ihr. Fühlst, erlebst und leidest im Moment.» Empathie ist gefragt: «Du willst und musst dich mit den Gefühlen anderer beschäftigen.» Körpermimik und -haltung, Requisiten, das Umfeld und die Gegenspieler helfen, vollständig in die fiktive Welt einzutauchen. «Du betrittst das Theater ohne Tageslicht, die Bühne und dein Kostüm stehen bereit. Ein eigenes Universum tut sich auf und wird für zwei, drei Stunden zu deinem.»
 

«Im Moment der künstlich erzeugten Realität sind die Situation, deine Figur und die gefühlten Emotionen real.»

Peter Rohrer

  • Künstlich aufregen?

Rollen mit Profil

Rohrer selbst nutzt beide Methoden, je nach Situation. Was alle erfolgreichen Schauspielerinnen und Schauspieler aber gemeinsam haben, ist eine gewisse emotionale Tiefe. «Gefühlskalte Menschen gehören nicht unbedingt in die Schauspielerei.» Nach mehreren Jahren bei Upstage, der englischsprachigen Theatergruppe in Bern, studiert der Berner in Toronto Theaterwissenschaften, Schauspiel und Musical. Zurück in der Schweiz, meldet er sich bei verschiedenen Castingagenturen an. Er ist im «Tatort» zu sehen sowie in weiteren SRF-Produktionen wie «Die Schweizer» und «Tag und Nacht». «Ich durfte bereits so einiges vor der Kamera und auf der Bühne machen. Ein Star wurde ich aber nicht. Das werden die wenigsten.» Er ist nicht der klassische Schönling, spielt meist den Bösewicht, den Gangster oder Polizisten. «Oft sind die dubiosen Gestalten die spannenden und vielschichtigen Charaktere.»
 

«Das Leben auf der Bühne ist inspirierend, energetisierend.»

Peter Rohrer


Vorhang zu

So viel Gefühl, manchmal Abend für Abend; ist das nicht ganz schön anstrengend? «Ich bin mir bewusst, dass diese ganzen Emotionen in einer künstlichen Umgebung hervortreten und nicht viel mit meinem Leben zu tun haben. Ausserdem enden die meisten Theaterstücke oder Filme mit einem Happy End.» Unterwegs, ergänzt Rohrer, brauche ihn das Stück aber schon. Und so fällt der Vorhang nach der letzten Szene. Der Schauspieler geniesst den nachhallenden Applaus, zieht sich um, kehrt zurück in die Realität und macht sich als Peter Rohrer auf den Weg nach Hause.
 

Peter Rohrer
Peter Rohrer wächst in Ostermundigen auf. Bereits in der Schule ist er als Schauspieler tätig; sein Musiklehrer verhilft ihm zu einer Rolle im Kinderchor der Oper La Bohème für das Stadttheater Bern. Nach der Schule steht er während mehrerer Jahre mit der englischsprachigen Theatergruppe Upstage auf der Bühne des Theaters am Käfigturm. Beruflich verfolgt er eine andere Richtung: Der Berner studiert zwei Jahre Chemie, Physik und Mathematik. Später ist er während zehn Jahren als Informatiker tätig. Doch das befriedigt ihn auf Dauer nicht. Er zieht nach Kanada, wo er in der Theater- und TV-Metropole Toronto studiert: Theaterwissenschaften und Schauspiel am George Brown College sowie Musical Theatre an der Randolph Academy for the Performing Arts. Nach Abschluss kehrt er 2002 in die Schweiz zurück und übernimmt diverse Rollen in Theater-, TV-, Film- sowie Werbeproduktionen und ist als Moderator tätig. Heute schreibt er als Journalist für die Fachzeitung «Automobil Revue».

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

17. September 2019, centre de rencontre du siège BCBE, Bienne (französisch)
14. Oktober 2019, Hotel Restaurant Weisses Kreuz, Lyss 
16. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz 
22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

Immobilien-Herbstmesse

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz