Persönlichkeit leben

Sie machen sich Gedanken darüber, wie sie auf andere wirken: Frauen brauchen Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, um ihre Persönlichkeit zu leben. Ein Interview mit Women Empowerment Coach Dorothee Brumann.

Dorothee Brumann, fällt es Frauen tatsächlich schwerer, ihre Persönlichkeit zu leben, als Männern?
Je selbstsicherer man ist, desto leichter gelingt es einem, seine Persönlichkeit zu leben. Das betrifft alle Geschlechter. Frauen werden aber gerade in der Arbeitswelt häufiger mit bewussten oder unbewussten Vorurteilen konfrontiert. Ihnen wird öfter nicht genügend Kompetenz zugetraut, oder ihre Leistungen werden nicht gebührend wahrgenommen. Manche erhalten destruktives Feedback, was sich sehr negativ auf die eigene Persönlichkeit und das Verhalten auswirken kann.

Wie können sich betroffene Frauen von diesen Mustern lösen?
Sie brauchen eine eigene innere Überzeugung, es tun zu wollen. Dann werden sie sich automatisch davon lösen. Nehmen wir als Beispiel eine Frau, die gerne alles kontrolliert. Sie bemerkt diesen Hang bei sich und entscheidet für sich: «Das will ich nicht mehr.» Sie erkennt das Kontrollieren als ein Verhaltensmuster, das ihr ein Gefühl der Sicherheit gibt. Ohne Kontrolle wäre sie vielleicht nervös oder emotional. Dann beobachtet sie, wie sie kontrolliert. Sie schaut sich einfach selbst dabei zu. Wie oft macht sie es? Wann macht sie es? Durch das Bewusstwerden lernt sie langsam ein neues Verhaltensmuster. Sie gibt die Kontrolle in kleinen, unwichtigen Dingen ab. Vielleicht erfährt sie, warum sie anderen nicht gut vertrauen kann. Daran lässt sich arbeiten. Sie wird vermutlich etliche Male bei der Umsetzung der neuen Verhaltensmuster scheitern. Aber dadurch, dass sie das alte Muster verlassen möchte, wird es ihr irgendwann gelingen.

Was raten Sie Personen, die das Gefühl haben, ihre eigene Persönlichkeit stünde ihnen im Weg?
Das überhaupt zu erkennen, ist schon ein erster, guter Schritt. Danach beginnt das Lernen. Es kann helfen, wenn man sich in einen bestimmten Bereich vertieft und vielleicht einen Kurs oder eine Weiterbildung macht. Durch das Ausbauen von Fähigkeiten und Kompetenzen gewinnt man Selbstvertrauen. Zudem kann man sich auch Feedback einholen, um Themenfelder zu identifizieren, die man bis dahin nicht wahrgenommen hat. Damit kann man sein Selbstbild mit einem Fremdbild abgleichen und sehen, wo es unterschiedliche Wahrnehmungen gibt. Das sind die ersten Schritte raus aus der Komfortzone, hinein in neue, eigene Themenfelder, Gefühle und Interessengebiete.

Wie erkenne ich, dass ich meine eigene Persönlichkeit lebe und nicht eine, die mir von aussen auferlegt wurde?
Indem man sich ab und zu die Frage stellt, warum ich tue, was ich tue, seine Gefühle hinterfragt und ernst nimmt. Manchmal erkennt man es auch am eigenen Frustlevel; weil es eben nicht glücklich macht, was man tut oder wie man sich verhält. Feedback kann hier sehr hilfreich sein, um zu erfahren, wie man wirkt und wie das Verhalten gespiegelt wird. Danach kann man wahrscheinlich besser verstehen, warum man sich so fühlt oder entsprechend verhält. Es ist wichtig, Verantwortung über die eigenen Gefühle zu übernehmen.

Wie gelingt es, seine Persönlichkeit selbstbewusst zu leben?
Man legt den Fokus von aussen nach innen. Das klingt einfach. Aber es ist oft gar nicht so leicht, einige Fragen für sich zu beantworten. Wer möchte ich eigentlich sein? Und was möchte ich gerne tun? Unabhängig davon, was man gelernt hat und jeden Tag macht. Vielleicht möchte ich inspirierend sein, anregend oder einfach mutiger? Gesellig oder lieber hoch konzentriert und mehr für mich? Danach müssen diese Dinge von innen nach aussen getragen werden. Es geht darum, darüber zu sprechen und sich mitzuteilen. Zu kommunizieren, was man braucht und sich wünscht. Und dann fängt die Umsetzung in kleinen Schritten an. Es gibt praktisch für alles Kurse, Weiterbildungen und Möglichkeiten. Das Ganze ist ein Prozess, der sich laufend verändern kann, weil man sich selbst auch verändert und weiterentwickelt.

Frauen mit starker Persönlichkeit ecken an. Bei beiden Geschlechtern. Warum? Und was kann man dagegen tun?
Dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Es sind langjährig geprägte Rollenbilder, der eigene familiäre Hintergrund, aber auch Ängste, ausgegrenzt zu werden, oder eben unbewusste Vorurteile, die uns Filterbrillen aufsetzen. Es wird viel diskutiert, was Frauen und Männer anders tun sollten, damit sich das ändert. Ich persönlich verfolge den Ansatz, bei mir selbst anzufangen und mich immer wieder daran zu erinnern. Wenn ich möchte, dass die Situation für meine Kinder eine andere ist als heute, dann muss ich beginnen, diese Veränderung im Alltag zu leben. Ich beginne, Eigenverantwortung zu übernehmen. Deshalb unterstütze ich Frauen in meinem Umfeld. Gemeinsam ist vieles einfacher. Es ist wichtig, darüber zu reden, was einen bewegt oder wie man leben möchte. Ausserdem hilft es, einige enge Menschen als Sparringpartner zu haben. Sie können einen daran erinnern, was man sich gewünscht hat. Sie können einen positiv bestärken, damit man auch dort ankommt, wo man gerne hin möchte.

Barbara Zesiger

Dorothee Brumann

Dorothee Brumann arbeitet als Fachführung für Ausschreibungen bei der SBB, Strategische Einkäuferin, Mentorin und Coach für Frauen. Ihre Themen sind selbstsicheres Auftreten, Kommunikation, Verhandlungsführung und Selbstmanagement. Wichtig ist ihr auch der Support von Frauen als Young Professionals und Working Moms im Geschäft und Alltag. Mit Digital Mentoring verhilft sie jungen Frauen zu mehr Authentizität und beruflichem Erfolg durch Kommunikation, Know-how und Selbstsicherheit.

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