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«Berner sind langsam»

Sagt man. Aber stimmt das? Berner reden langsamer als der Rest der Schweiz. Dass Bündner fast so gemächlich sprechen, ist aber weniger bekannt.

3,8 Kilometer pro Stunde. So schnell – oder besser langsam – laufen Berner im Schnitt durch ihre Innenstadt. Das zeigt zumindest eine in einem Buch publizierte quasiwissenschaftliche Studie des englischen Psychologen Robert Wiseman aus dem Jahr 2007. Im Gegensatz zu anderen Städtern schleichen die Berner geradezu zu ihrem Ziel. Nur in Malawi und Bahrain seien Fussgänger noch langsamer unterwegs. Im Vergleich: In Singapur «joggen» die Menschen mit 6,2 Kilometern pro Stunde durch die Stadt, sie sind weltweit die Schnellsten.

Auch im Schweizer Vergleich bewegen sich die Berner in gemächlichem Tempo vorwärts. ETH-Studenten fanden in ihrer Studie «Speed of Life: Wie schnell läuft ein Schweizer?» heraus, dass Zürcher Fussgänger am zügigsten, Berner dagegen langsamer laufen. Die Unterschiede sind aber gering.

Was hat es mit dem Klischee der langsamen Berner eigentlich auf sich? Wir haben bei den Bernerinnen und Bernern direkt nachgefragt.

Fünf Silben pro Sekunde

Dass Bewohner des Kantons Bern langsamer sprechen als der Rest der Schweiz, hat der Sprachwissenschafter Adrian Leemann von der Universität Zürich festgestellt. Der Forscher verglich in einer Studie die Redegeschwindigkeit von Zürchern, Wallisern, Bündnern und Bernern. Während Zürcher und Walliser sechs Silben pro Sekunde bildeten, seien es bei den Bernern nur fünf pro Sekunde, so Leemann. «Eine Silbe pro Sekunde mag nicht als viel erscheinen, pro Minute macht das aber vier bis fünf Sätze aus, die Berner weniger sagen als Zürcher», merkt der Forscher an. Woran liegt es, dass Berner langsamer sprechen? Laut Leemann werden im bernischen Dialekt die Vokale länger gezogen, vor allem die letzte Silbe eines Wortes wird stark gedehnt.

Auch Bündner gemütlich unterwegs

Entgegen der landläufigen Meinung sprechen Bündner fast so langsam wie Berner. «Mit 5,2 Silben pro Sekunde reden Graubündner im Durchschnitt nicht viel schneller als Berner. Auch im Bündner Dialekt werden Vokale länger gezogen», sagt Adrian Leemann. Die Langsamkeit wird den Bewohnern des Kantons der Steinböcke aber nie so oft nachgesagt wie jenen des Hauptstadt-Kantons. Der Berner Dialekt erscheint Zuhörern viel langsamer.

Das Bärndütsch klingt sonorer, also schallfüllender als andere Mundarten, denn es kommen weniger Konsonanten vor. «Oft werden Konsonanten zu Vokalen, zum Beispiel wird ‹Milch› zu ‹Miuch› oder auch ‹mol› zu ‹mou›», so der Sprachwissenschafter Leemann. Zudem werden Worte wie «anders» als «angers» ausgesprochen – auch hier gilt ein «ng» als ein sonorerer Laut als «nd». Kein Wunder also, dass der Kanton Bern vom Rest des Landes augenzwinkernd als langsam betitelt wird. Und auch der subjektive Eindruck nach einem Besuch in der Hauptstadt lautet: Stress kommt hier selten auf, von Eile keine Spur. Die Langsamkeit hat vordergründig ihre Vorteile, denn chronischer Stress macht krank. Er führt zum Beispiel zu Albträumen, Magen-Darm-Problemen, Schlafstörungen und Bluthochdruck.

Zürcher besonders gesund

Gesünder fühlen sich die Bewohner des Kantons Bern deshalb aber nicht. Knapp 87 Prozent der Berner bezeichnen sich subjektiv als gesund, damit liegt der Kanton etwas über dem Schweizer Durchschnitt (86,7 Prozent fühlen sich gesund). Am gesündesten – trotz zügigstem Lauftempo in der Schweiz – fühlen sich tatsächlich die Zürcher: Über 89 Prozent fühlen sich geistig und körperlich sehr wohl.

Text: Alexandra Kohler

Dieser Artikel ist am 31. März 2014 in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen.

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