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Hillers Haus denkt

Jonas Hiller, der Goalie des EHC Biel, wohnt in einem Smart Home bei Bern. Von seiner Stube aus lässt sich sogar sein Tesla vor dem Haus vorheizen.

Für Jonas Hiller ist heute schon Realität, wovon immer mehr träumen. Wenn der Eishockeystar sein Konditionstraining startet, schaltet sich automatisch der TV ein, das Licht wird gedimmt, und die Klanganlage spielt seine Lieblingsmusik. Wird der CO2-Gehalt im Raum zu hoch, dreht die Belüftung automatisch aufs Maximum. Der berühmte Goalie des EHC Biel muss für all das nur zweimal auf einen Schalter drücken. Dieser Luxus nennt sich Smart Home. Ja, Hillers Haus denkt mit. «Ich bin extrem technikbegeistert und offen für neue Gimmicks», sagt der gebürtige Urnäscher am Esstisch seines nigelnagelneuen Anwesens in der Nähe von Bern. Er hat den modernen Betonbau mit seiner Frau Karolina und der kleinen Tochter im letzten Sommer bezogen. Bereits während seiner Zeit in den USA – Hiller spielte neun Jahre in der NHL, bevor er im April 2016 in die Schweiz zurückkehrte – hätten sie in Sachen Smart Home experimentiert. Doch keine Lösung, egal ob Heizung, Storen oder Licht, habe ihn wirklich überzeugt: «Das lief alles über WLAN, was zu vielen Ausfällen und bei Karolina zu schlechter Laune führte», erzählt er. Für Hiller war deshalb klar, dass das neue Haus ein «richtiges» Smart Home sein musste, von Beginn weg eingeplant, eine Gesamtlösung statt vieler Einzellösungen.

  • Nahe von Bern wohnt EHC-Biel-Goalie Jonas Hiller mit seiner Familie in seinem Smart Home.

Wichtig war Jonas Hiller auch, dass Frau und Tochter, «die weniger technikaffin sind», problemlos mit der Steuerung und Bedienung zurechtkommen. Zudem sollte das System flexibel sein und sich den ständig ändernden Bedürfnissen einer jungen Familie anpassen. Bei der Umsetzung dieser Vorstellungen konnte er auf die Hilfe von Christian Moser zählen. Der Informatiker und angefressene Smart-Home-Tüftler gründete vor einem Jahr in Bern die Firma Hubware, die sich auf die Entwicklung von Smart-Home-Lösungen spezialisiert hat.
«Wir bauen Softwareplattformen, in die wir unterschiedliche Geräte und Einzellösungen wie Heizung oder Licht integrieren», sagt Moser. Ziel sei es, die vielen konkurrierenden Smart-Home-Technologien von Apple, Google und Co. unter einen Hut zu bringen und den smarten Haushalt bequem über eine einzige Oberfläche zu steuern. Das scheint zu florieren, wie Marktforschungen zeigen. Eben stellte Moser den zehnten Mitarbeiter ein. Und bei Familie Hiller ist Sarah eingezogen: So heisst die Smart-Home-Plattform von Hubware, wobei Sarah für «selbstständig arbeitendes rundum automatisiertes Haus» steht.

«Hin und wieder gibt es Zoff, wenn ich etwa einen Taster umprogrammiert habe.»

Jonas Hiller

Vorerst setzt Moser primär auf eine Technologie, nämlich Digitalstrom, von der Hiller begeistert ist: Digitalstrom biete das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, laufe stabil und sei absolut flexibel. Er kann jederzeit um- oder aufrüsten, Lampen, Geräte hinzufügen und selbst einfache Wenn-dann-Befehle auf dem Tablet programmieren. Der Clou: Beim System der Zürcher Firma Digitalstrom kommunizieren die Geräte über das herkömmliche Stromnetz via Lüsterklemmen. Diese sehen aus wie Legosteine, sind aber kleine Rechner und werden direkt an den Geräten, Leuchten oder Wandschaltern angebracht. Die Schalter, sogenannte Taster, kann man mit bis zu vier Funktionen belegen und über sie das Haus auch ganz normal bedienen. «Hin und wieder gibt es allerdings Zoff, wenn ich Taster umprogrammiert habe und Karolina noch nichts davon weiss», grinst der «beste Schweizer Torhüter aller Zeiten» («20 Minuten»). Lieber nutzt Jonas Hiller ohnehin seine Sarah-App auf dem Tablet, steuert damit Leuchten, die Heizung, Rollläden, die riesigen Vorhänge im Wohnzimmer oder die Poolanlage. Von unterwegs können die Hillers auf dem Handy via Videokamera sehen, wer daheim läutet, die Gegensprechanlage nutzen oder die Tür öffnen. Über die App lassen sich auch Musikanlage, TV oder das Alarmsystem einschalten, man kann den Staubsauger losschicken oder die Fotovoltaikanlage überwachen.

  • Smart Homes werden immer beliebter: Gehörten 2015 noch weniger als eine Million Gebäude zu den intelligenten Häusern, sollen es nach einer Prognose im Jahr 2021 bereits fast sieben Millionen Häuser weltweit sein.


Karolinas und Jonas’ Lieblingsfeature aber ist die «Kommen-Gehen»-Funktion. Sie stellt auf einen Tastendruck sicher, dass «alles okay» ist, wenn man das Haus verlässt – was bei sechs Halbetagen sehr praktisch ist. Andernfalls erhält man eine Nachricht aufs Handy. Was mit den Daten passiert, die sein Haushalt ansammelt, beschäftigt Jonas Hiller mässig. Er begrüsst es aber, dass Hubware die Daten nicht in der Cloud, sondern lokal auf dem Sarah-Server in seinem Keller lagert und nur er Zugriff darauf hat. Ist aber etwa ein Nestthermostat, der am Internet hängt, integriert, werden diese Daten direkt an Google gesendet.
Noch ist Hillers intelligentes Haus ein «Work in Progress», aber schon steht ein neues Spielzeug vor der Tür: ein Tesla. «Das eröffnet viele neue Möglichkeiten», freut sich Moser. Integriert man das Elektroauto in Sarah, kann man es etwa per Display im Wohnzimmer vorheizen oder über das Ortungssystem das baldige Eintreffen von Herrn Hiller zu Hause über Lautsprecher ankündigen. Wie viel das Haus gekostet hat, wird nicht verraten. Bisher waren smarte Eigenheime aber Leuten mit grosser Brieftasche vorbehalten, zu denen auch der 35-jährige Hiller zählt. In den USA hat er 2010 bis 2016 jährlich 4,5 Millionen Dollar verdient, in Biel sind es 700 000 Franken pro Saison. Glaubt man Moser, können sich schon bald mehr Leute smarte Häuser leisten: «In fünf bis zehn Jahren wird diese Art zu leben Standard sein.»

Dieser Text erschien erstmals in der «Sonntagszeitung» vom 26. Februar 2017.

Agenda

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. Mai 2018, Stadttheater, Langenthal
7. Mai 2018, Hotel National, Bern

BEKB-Familientage

26. Mai 2018, Gurten, Bern
3. Juni 2018, Studen
17. Juni 2018, Solothurn
11. August 2018, Utzenstorf
2. September 2018, Reconvilier

Sitzkissenkonzerte für Kinder ab 4 Jahre

13. März 2018, Stadttheater Bern
20. März 2018, Stadttheater Bern

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