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Ahnen Sie es?

Alles begann mit der Suche nach den eigenen Familienwurzeln. Nun gräbt sie unentwegt für andere und hilft ihnen, ihre Wurzeln zu finden. Frau Metzger ist Ahnenforscherin.

Sie haben keinen alltäglichen Beruf. Wie sind Sie eigentlich Ahnenforscherin geworden?
Das begann bei mir mit der Sage über einen angeblich adeligen Metzger in der Familie meines Mannes. Dem stand ich ein bisschen skeptisch gegenüber. Und als wir dann einmal in der Nähe unserer Heimatgemeinde waren, habe ich gesagt, ich wolle jetzt im Personenregister – dem Burgerrodel – mehr darüber erfahren. Das ging damals ganz einfach, ich konnte mir die Namen einfach rausschreiben. Der Datenschutz war da noch nicht in aller Munde. Ich bin dann während zehn Jahren Winter für Winter in meiner Freizeit nach Frauenfeld gefahren und habe für die eigene Familie geforscht, um dann herauszufinden, dass der adelige Metzger überhaupt nichts mit der Familiengeschichte meines Mannes zu tun gehabt hat (lacht beherzt). 2004 habe ich mich dann selbstständig gemacht, meinen alten Beruf in der Spitalverwaltung aufgegeben und bin seitdem Genealogin.

  • Therese Metzger-Münger vor ihrem Familienstammbaum. In ihren Büchern ist sie schon auf so manche Fährte gestossen.


Sie haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht. Wie wird man eine gute Genealogin?
Eine eigentliche Ausbildung, wie sie die klassische Berufsbildung kennt, existiert nicht. Wichtiger sind Charaktereigenschaften wie Wissensdurst. Der hört bei mir nie auf. Ausserdem ist die Kombinationsgabe, die Fähigkeit, gewisse Zusammenhänge zu erfragen und daraus Rückschlüsse zu ziehen, sehr wichtig. Beides ist für diesen Beruf von Vorteil.

Wie wichtig ist es, in Geduld geübt zu sein?
Geduld braucht es natürlich auch, denn in zwei Tagen bringen Sie keine Ahnenforschung zusammen. Man verbringt viele Stunden damit, Dokumente zu durchsuchen oder Kirchenbücher zu erfassen. Man vergisst manchmal die Zeit dabei, und dann kommt es vor, dass man unbemerkt sieben Stunden im Staatsarchiv verbracht hat. Bei der Fülle an Informationen ist es zu guter Letzt auch nützlich, wenn man eine gewisse Ordnungsliebe besitzt.

Wie müssen sich Laien die Arbeit einer Ahnenforscherin vorstellen?
Häufig muss ich zuallererst erklären, dass wir von heute in Richtung früher forschen. Viele kommen auf mich zu und sagen, sie hätten einen Vorfahren in einem Buch um die 1380 gefunden. Wenn es Hinweise auf ein nobles Geschlecht gibt, kann man das schon probieren, aber in der Regel kommt das nicht gut und ist wahnsinnig zeitaufwendig. Besser ist es, mit einem Gerippe zu beginnen und dann in immer älteren Dokumenten (Testamenten, Erbscheinen usw.) nach weiteren Hinweisen zu suchen, sich der Vergangenheit so Stück für Stück zu nähern.

  • Per Hand hat Therese Metzger-Münger im Staatsarchiv Bern früher Kauff-Briefe wie diesen abgezeichnet und sich das Lesen der Schrift beigebracht. Hier steht geschrieben: Kauff-Brieff. Kund und zu wißen seÿe hiermit: Daß der bescheidene Hanß Holzer, gebürtig von Moos Seedorf, der Steinbrecher, diß mahl wohnhaft zu Ostermundigen, in der Kirchhöre Bollingen, dem Stadt Bern Gericht verkauft hat.


Sie sind in der eigenen Ahnenforschung für Ihren Mann selbst an einem gewissen Punkt im Jahr 1773 stecken geblieben? Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe sämtliche Metzger der Heimatgemeinde erfasst. Jede Taufe, jede Hochzeit, jedes Todesdatum dokumentiert, denn anhand der Kirchenbücher konnte ich keine früheren Verbindungen herstellen. Ich habe dann herausgefunden, dass die Familie noch einen Übernamen hatte, der im Kirchenbuch nie geschrieben stand. Und mit dem Aufspüren eines Dokumentes über den Landverkauf in Kombination mit dem Übernamen konnte ich die richtige Metzgerfamilie schliesslich ausfindig machen. Letztlich konnte ich die Familie meines Mannes dann im frühen 16. Jahrhundert auf einem Erblehnhof «dingfest» machen.

Wieso sind Leute so stark an der eigenen Vergangenheit interessiert?
Vor allem die Amerikaner sind sehr an ihren Wurzeln interessiert. Sie kommen mir manchmal vor wie Gestrandete, die nach ihren Spuren in Europa suchen. Häufig melden sich diese bei mir mit ganz kleinen Aufträgen. Sie haben beispielsweise auf der Einwanderungsliste den Namen ihrer Grosseltern «Sowieso» aus Lauterbrunnen, Bern, gefunden und fragen mich dann, ob ich ihnen das bestätigen kann. Sie können sich nicht vorstellen, wie dankbar sie sind, wenn ich das bejahen kann. Die Suche nach den eigenen Wurzeln ist gewissermassen auch ein bisschen das Nachholen der vergessenen Fragen und verpassten Gespräche mit den eigenen Grosseltern und Urgrosseltern.

Sie schreiben auf ihrer Website «Frauenlinien sind es auch wert, erforscht zu werden». Können Sie das ein bisschen genauer erklären?
Häufig interessieren sich die Leute nur für die Vaterlinie, weil der Vater der Namensträger ist, aber besonders, wenn man weiter als ins Jahr 1800 zurückgehen möchte, sollte der Frauenlinie mehr Bedeutung beigemessen werden. Diese bringt häufig Überraschungen. Der Zufall wollte es so, dass ich es meiner Urgrossmutter zu verdanken habe, dass ich meine Familienlinie bis ins Jahr 1300 zurückverfolgen konnte.

Welche Entdeckung hat Sie am meisten erstaunt?
Das sind meist Geschichten, die weder in der Schule gelernt werden noch in einem Buch stehen. Es ist wahnsinnig spannend, wie viel uns Dokumente über das Leben unser Ahnen erzählen, sie müssen nur erst einmal zusammengetragen werden. Ich bin eines Tages über einen Cousin «gestolpert», der sich als Chirurgus (Wundarzt) 1690 mit dem Schiff von London nach Livorno begab. Leider kam das Schiff aber nie dort an, weil es von Piraten geentert wurde. Die Geschichte hat mich sofort gepackt. Ich habe dann herausbekommen, dass er in Algier als Sklave verkauft wurde und nach sechs Jahren Gefangenschaft auf einer Galeere den Weg zurück nach Schaffhausen gefunden hat. An das von ihm benannte Haus in Schaffhausen, «Haus zur Galere», erinnert bis heute ein Pfosten in der Altstadt.

Hat die Nachfrage nach der Ahnensuche in den letzten Jahren zugenommen?
Ja, sie hat eindeutig zugenommen. Ich weiss nicht, inwieweit die Entwurzelung der Gesellschaft durch die Globalisierung ihren Teil dazu beiträgt. Es ist aber auffällig, dass immer mehr jüngere Menschen um die 30, 40 auf mich zukommen, um mehr über ihre Ahnen zu erfahren. Früher waren es grösstenteils Personen, die erst nach dem Tod ihrer Eltern zu mir kamen.


Therese Metzger-Münger, verheiratet, mit drei erwachsenen Kindern gesegnet und sechs Grosskindern beglückt, lebt in Münsingen und hat 2004 ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mehr über ihre Arbeiten erfahren Sie auf ihrer Website www.genmet.ch. Weitere hilfreiche Informationen zur Genealogie finden Sie auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Familienforschung www.sgffweb.ch.

Agenda

School Dance Award

24. Februar 2019, Kongresshaus CTS, Biel

Sitzkissenkonzerte für Kinder ab vier Jahren

26. Februar 2019, Stadttheater Bern
27. Februar 2019, Stadttheater Bern
6. März 2019, Stadttheater Bern

After-Business-Konzerte

27. Februar 2019, BEKB Bundesplatz, Bern
27. März 2019, BEKB Bundesplatz, Bern

KMU Frauen Frühlingsanlass

9. April 2019, BEKB Betriebsgebäude, Bern-Liebefeld

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

2. Mai 2019, Saalbau, Kirchberg
9. Mai 2019, Hotel National, Bern

Generalversammlung der BEKB

14. Mai 2019, Bernexpo, Bern

BEKB-Familientage

25. Mai 2019, Gurten, Bern
26. Mai 2019, Solothurn