Generation Z: «Wir wollen das Morgen mitgestalten!»

Sie lebt von jeher in einer digitalen Welt. Vieles, was die älteren Generationen sich mühsam aneignen, ist für sie selbstverständlich. Tibor János Kiss (18) über die Eigenheiten seiner Generation.

Tibor ist einer von ihnen. Einer von diesen «neuen Jungen» auf dem Arbeitsmarkt. Mit Jahrgang 2000 gehört er zur sogenannten Generation Z (ca. ab Jahrgang 1997). Nie hat er mit Bundesordnern, Hängemappen, Stempel und Fax gearbeitet. Er ist ein «Digital Native»; einer, der in eine digitale Welt geboren wurde.

World Wide Web, MP3-Player, SMS, Mobiltelefone, Smartphones und Tablets – die Generation X (siehe Infobox) kam erst im späten Kindes- und im Jugendalter mit diesen Technologien in Kontakt. Für die Generation Z gehörte das alles von Anfang an zum normalen Alltag. «Unsere Möglichkeiten, unsere Werte unterscheiden sich deshalb zum Teil stark von älteren Mitmenschen», erklärt Tibor. Der junge Mann aus Bremgarten b. Bern hat sich mit 17 Jahren selbstständig gemacht, ist selbst «Gen-Zler» und berät heute unter anderem Firmen zum Thema «Generation Z».
 

«Wir ticken anders»

Ein grosser Teil der jungen Menschen, die heute in den Arbeitsmarkt eintreten, gehört der Generation Z an. Arbeitgeber sind jedoch in der Regel älter. Haben sie keine Kinder im Alter von 7 bis 22 Jahren, fehlt ihnen der Bezug zu dieser Gruppe. «Das Verständnis für diese jungen Leute fehlt in den Unternehmen oft», weiss Tibor. Zu unterschiedlich seien die Erfahrungswelten, in denen man aufgewachsen ist. «Wir ticken eben anders.» So sei es für einen Gen-Zler zum Beispiel ein No-Go, Daten über einen USB-Stick mit anderen zu teilen. Er wünscht sich einen Arbeitgeber mit passender technischer Infrastruktur: «Wir wollen digital arbeiten, kennen es nicht anders. Daten werden geteilt und nicht ausgedruckt», erklärt Tibor. Diese Art der Arbeit ist schnell und effektiv – und ergibt Sinn. Ein weiterer Punkt, der den nach 1997 Geborenen am Herzen liegt: «Brötlijobs» sind ihnen zuwider, sie wollen etwas Sinnstiftendes leisten.

Bei all den Unterschieden betont der 18-jährige Tibor aber auch die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Generationen: «Wir Jungen sind genauso Menschen wie die Älteren. Auch wir haben Sorgen und Ängste, Glücksgefühle und schwierige Momente.»


Die Welt gehört uns

Den Gen-Zlern steht die Welt, im wahrsten Sinn des Wortes, offen. Die Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, machen fast alles möglich. Über Internet vernetzen sie sich, lernen mit Tutorials und probieren sich aus. «Heute kannst du ganz einfach ein Online-Business auf die Beine stellen», weiss auch Tibor. «Wenn du Gas gibst, kannst du mit viel Fleiss auf YouTube oder mit einem Blog erfolgreich sein. Und sogar davon leben.»


Fluch und Segen der Digitalisierung

Die Unbegrenztheit der Möglichkeiten macht die Gen-Zler einerseits zu kreativen, begeisterten Mitarbeitern. Andererseits, und das betont auch Tibor, neigen sie dazu, vieles ausprobieren zu wollen: «Unsere Arbeitgeber müssen uns einiges bieten, um uns bei der Stange zu halten.» Die Angst, etwas zu verpassen (engl. fear of missing out), ist in seiner Generation weitverbreitet. Das kann dazu führen, dass Gen-Zler weniger lange ein und dieselbe Arbeit machen möchten. Der aktuelle Fachkräftemangel macht das sogenannte «Job Hopping» zusätzlich attraktiv: «Die Jungen haben wenig zu verlieren. Vor allem im IT-Sektor findet man sofort wieder einen neuen Job.»

Die Gen-Zler profitieren von der Digitalisierung; sie leiden aber auch unter ihr. «Der soziale Druck, ein Smartphone zu besitzen, ist für Jugendliche heute extrem gross», weiss Tibor. Auch die sozialen Medien belasten die Jungen und schaden zuweilen ihrem Selbstwertgefühl: «Die Jungen glauben, sie seien nicht gut genug. Sie vergleichen ihr Leben mit dem Leben, das ihnen bei Instagram und Co. gezeigt wird.» Dass das oft geschönte Bilder sind und diese nur wenig mit der Realität zu tun haben, gehe leider allzu oft vergessen.


Behandle sie gut!

Möchte ein Arbeitgeber einen Gen-Zler länger an sich binden, hat Tibor einige Tipps parat:

  • Die technische Infrastruktur muss zeitgemäss sein.
  • Der Arbeitnehmer sollte immer wieder Neues lernen – und dabei auch Fehler machen dürfen.
  • Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitenden Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und Arbeitszeit.
  • Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben sollte klar geregelt sein.
  • Fördern Sie Ihre jungen Mitarbeitenden. Mentoring kommt besser an als strenge Führung. Ermöglichen Sie ihnen, sich auszuprobieren. Vielleicht wäre ein firmeninterner Abteilungs- oder Stellenwechsel eine Option?
  • Kommunizieren Sie offen und ehrlich.
  • Holen Sie sich mehrere Gen-Zler ins Team, damit sie sich austauschen können.
  • Gen-Zler haben ein starkes Bewusstsein dafür, was um sie herum passiert. Werte wie Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit, Verbundenheit sind ihnen wichtig.

«Werden diese Bedingungen erfüllt, ist meine Generation mit Begeisterung dabei», ist Tibor überzeugt. Denn: «Wir wollen definitiv anpacken und das Morgen aktiv mitgestalten.»

Text: Barbara Zesiger

Challenge: Tippen Sie schneller als Tibor?

Mitglieder der Generation Z sind technikaffin und mit dem Touchscreen aufgewachsen. Sie sind Meister im Tippen. Tibor schafft es in 35 Sekunden, den folgenden Text mit seinem Smartphone abzutippen. Wie schnell sind Sie?

Zur Person: Tibor

Mit 16 Jahren macht Tibor Kiss die Matur. Weil er nicht bei Weitem der jüngste Student sein wollte, hat er entschieden, noch nicht zu studieren. Darum übernimmt er die Betreuung der Social Media von Camerata Bern und wechselt später zu einer Agentur. Mit 17 Jahren macht er sich im Bereich Marketing selbstständig. Gleichzeitig verkauft er Fahrräder bei Thömus und organisiert in seiner Freizeit Konzerte. Als er für die Stiftung Pro Juventute Snapchat betreut, kommt er erstmals mit dem Thema Generation Z in Kontakt. Die Beratung rund um seine Generation wird zu seinem Hauptbusiness (www.schub-kraft.com). Er schreibt Konzepte für Unternehmen, hält Vorträge und tritt an Events auf. Seit 1,5 Jahren ist er nebenbei Manager des Youtubers Edwan. Im Sommer betreut er jeweils gemeinsam mit Gecko Communications das Mediencenter des Gurtenfestivals.

Agenda

BEKB -Veranstaltungen

Aktueller Überblick und Anmeldung: bekb.ch/veranstaltungen

Konzerte des Jugendblasorchesters VBJ

3. November 2019, 10.15 Uhr, Congress Centre Kursaal, Interlaken
3. November 2019, 16.00 Uhr, KKThun, Thun
9. November 2019, Kongresshaus, Biel

BEKB-Pensionsplanungsanlässe

22. Oktober 2019, Turbensaal Bellach, Bellach 
23. Oktober 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Biel 
23. Oktober 2019, Schloss Hünigen, Konolfingen 
29. Oktober 2019, Bildungszentrum der BEKB, Liebefeld-Bern
5. November 2019, Saalbau, Kirchberg
13. November 2019, Hotel Interlaken, Interlaken Ost

Immobilien-Herbstmesse

31. Oktober bis 2. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz

St. Nicolas de la BCBE à Tramelan

4. Dezember 2019, BCBE Tramelan

Santarun Bern

29. November 2019, BEKB-Begegnungszentrum, Bern Bundesplatz