Ziegelei der Zukunft

25 Millionen Jahre. So alt ist der Lehm, der in Rapperswil bei Bern abgebaut wird. Gasser Ceramic verbindet diesen uralten Rohstoff mit neuster Technologie. Das Traditionsunternehmen überrascht mit gutem Gespür für Innovationen.

«Wir müssen vorwärtsschauen.» Die Stimme von Ruedi Gasser, Geschäftsführer der Gasser Ceramic, ist kräftig und klar. Der Rapperswiler führt das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Hans Gasser in dritter Generation. Die beiden haben früh erkannt, dass traditionelles Handwerk ohne Zukunftsvision nicht überleben kann. «Als wir 1991 die Firma von unseren Vätern übernommen haben, gab es in der Schweiz noch 36 Ziegeleien. Heute sind es deren sieben.» Wer in dieser Branche nicht innovativ ist, hat verloren.
 

Die Lust am Vorwärtskommen

Schon Louis Gasser, der 1918 die Handziegelei in Rapperswil kurz vor Konkurs kaufte, war ein Pionier. Wider den Willen seines Vaters investierte der junge Gasser in sein Unternehmen. Während der Kriegsjahre hielt er sich mit einem kleinen Bauernbetrieb über Wasser. Wenig später aber ratterten in der kleinen Ziegelei bereits die ersten Maschinen.

Die Lust am Vorwärtskommen vererbte Louis Gasser an seine Söhne. Sie übernahmen die Ziegelei 1961 und automatisierten viele Abläufe im Betrieb. So gelang es ihnen, die Produktion zu verdreifachen. Das Familienunternehmen ist mittlerweile auf fünf Produktionsstandorte in der Schweiz angewachsen. Ein weiterer Standort mit einem Abbaubetrieb liegt in Frankreich.
 

  • Solarziegel und Hochleistungsbacksteine: Gasser Ceramic setzt traditionelle Produkte innovativ um.

  • Beeindruckend: Die Fassade dieses Gebäudes auf dem Areal der ehemaligen Gurtenbrauerei (Wabern) besteht aus 20 000 Tondachziegeln.

  • Den formschönen Biberschwanz-Ziegel gibt es in vielen verschiedenen Varianten.

Unternehmerstolz

Heute beschäftigt Gasser Ceramic gegen 300 Mitarbeitende und gehört zu den modernsten Ziegeleien Europas. «Wir gehen mit offenem Blick in die Welt hinaus», sagt Ruedi Gasser. Mit eigenen Entwicklungen reagiert das traditionsreiche Familienunternehmen auf die Bedürfnisse am Markt. Stolz präsentiert der Geschäftsleiter die Solarziegel im Showroom. Die Fusion herkömmlicher Tonziegel mit moderner Technologie ist nicht nur energetisch sinnvoll, sondern auch schön anzusehen. «Elon Musk versucht unser Produkt zu kopieren – es gelingt ihm nicht.» Gasser lacht verschmitzt und zufrieden.

Auch die Backsteine, die sich nebenan stapeln, haben es in sich. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich nicht von herkömmlichem Mauerwerk aus Ton. Was sie besonders macht, zeigt ein Blick ins Innere: Die Hohlräume sind mit Schweizer Schafwolle gefüllt. «Die spezielle Konstruktion unseres Hochleistungsbacksteins macht eine weitere Isolation oder Aussendämmung hinfällig.» Gasser strahlt. «Das ermöglicht eine effizientere Bauweise und einen spürbar höheren Wohnkomfort.»
 

Geerbte Verantwortung

Gasser Ceramic produziert am Puls der Zeit. «Um marktfähig zu bleiben, müssen wir vorwärtsschauen», ist Gasser überzeugt. Damit die Ziegelei überleben kann, müssen die Tonreserven für 30 Jahre gesichert sein. «Planen ist Pflicht! Wir tragen immerhin die Verantwortung für gegen 300 Mitarbeitende und deren Familien.» Die besondere Firmenkultur trägt zusätzlich zu einem stabilen Betrieb bei. Bereits im Alter von 50 Jahren haben Ruedi und Hans Gasser mit der Nachfolgeplanung begonnen. «Den Pioniergeist unserer Vorfahren wollen wir an die nächste Generation weitergeben», so Gasser. Die vierte Generation steht in den Startlöchern: «Meine Nichte Julienne Gasser und mein Neffe Lukas Schläppi werden die Ziegelei in ein paar Jahren mit Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist weiterführen.»

Barbara Zesiger

Ruedi Gasser und Gasser Ceramic

Ruedi Gasser (55) ist kaufmännischer Geschäftsleiter von Gasser Ceramic mit Hauptstandort in Rapperswil (BE). Das Familienunternehmen überrascht mit Innovationen in Verbindung mit dem Naturprodukt Ton: Mit Eigenentwicklungen wie den Solarziegeln und dem Hochleistungsbackstein Capo gehört Gasser Ceramic zu den modernsten Ziegeleien Europas.

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